Diakonie-Projekt „ZeitWeise“

Endlich die Chance zum Luftholen
Diakonie-Projekt „ZeitWeise“ entlastet Angehörige von demenzkranken Menschen

Karola Fahlteich, Leiterin des Prohejts „ZeitWeise“

Die Deutschen sind vergesslich. Schätzungen gehen davon aus, dass bundesweit mehr als eine Millionen Menschen an Demenz erkrankt sind – Tendenz steigend. Nicht nur für die Betroffenen ist die Krankheit eine Belastung, sondern auch für Angehörige, die sie pflegen. „ZeitWeise“, ein Projekt der Diakoniestation Marthaheim, sorgt für Entlastung im Alltag. Ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen stundenweise ins Haus, um bei der Betreuung der kranken Menschen einzuspringen.

„Demenzkranke leben nicht immer im Hier und Jetzt“, sagt Karola Fahlteich, die Leiterin des Projektes. Das kann schwerwiegende Folgen haben, weil sie beispielsweise eine Herdplatte oder andere Elektrogeräte nicht ausgeschaltet haben. Für Angehörige, die sich um ihre Eltern, Partner oder andere nahe stehende Menschen kümmern, kann das zu einer 24-Stunden-Bereitschaft an sieben Tagen in der Woche führen. Zum Luft holen, für eigene Unternehmungen oder soziale Kontakte bleibt kaum noch Raum – bis hin zum Punkt, wo ein dringend nötiger eigener Arztbesuch nicht zu schaffen ist.

„Die Angehörigen zögern sehr lange, sich einzugestehen: Ich schaffe das nicht mehr alleine“, weiß Karola Fahlteich. Das muss auch niemand, denn eine Entlastung ist sogar per Gesetz vorgesehen: Für „Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz“, wie es offiziell heißt, gibt es ein monatliches Betreuungsgeld von 100 bis 200 Euro aus der Pflegekasse.

Karola Fahlteich hilft gerne bei den Formalitäten. Und dann lässt sich über „ZeitWeise“ eine ganze Menge Unterstützung damit finanzieren. Die MitarbeiterInnen der diakonischen Initiative sind zwar ehrenamtlich aktiv, aber nicht ganz kostenlos. Sie bekommen eine Aufwandsentschädigung von fünf Euro pro Stunde. Bis zu sechs Stunden am Tag dürfen sie laut Gesetz in einer Familie aushelfen, unbürokratisch und schnell.

Das ZeitWeise-Team besteht zur Zeit aus 15 Frauen und vier Männern. Sie alle haben einen Grundkurs absolviert, um den Herausforderungen des Ehrenamts gewachsen zu sein: das Krankheitsbild Demenz, Kommunikation mit dementiell veränderten Menschen, die Situation der pflegenden Angehörigen, rechtliche Fragen sowie Gedächtnistraining standen unter anderem auf dem Programm.

So ist auch Karola Fahlteich, eine examinierte Altenpflegerin mit langjähriger Berufserfahrung, vor zweieinhalb Jahren hinzugestoßen. Zwei Familien hat sie unterstützt, bevor sie im Sommer 2010 in die Leitung wechselte. Sie weiß also aus eigener Erfahrung, wie sehr „ZeitWeise“ Betroffene und Angehörige gleichermaßen entlasten kann: Die Einen freuen sich über ein neues Gesicht in den gewohnten vier Wänden, über neue Gespräche und neue Ideen. Die Anderen haben endlich die Gelegenheit, auch einmal wieder an sich selbst zu denken.

Das Projekt habe noch Kapazitäten frei, berichtet Karola Fahlteich. Sie freut sich auch über weitere Menschen, die sich bei „ZeitWeise“ engagieren möchten. Betroffene Familien und an einer Mitarbeit Interessierte erreichen Karola Fahlteich immer mittwochs von 9 bis 14 Uhr in der Diakoniestation Marthaheim, Schlesierstraße 7, Telefon 05121/200172 oder mobil 0173/1438114, Mail zeitweise-hildesheim@gmx.de.

Text: Kultur & Kommunikation (Ralf Neite) – http://www.kultundkom.de

14.2.2011

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s