➯ Armut, die beschämt

von links: Superintendent Ulrich Wöhler, Diakoniedirektor Dr. Christoph Künkel, Abt Eckhard Gorka beim Jahresempfang in der Amelungsborner Klosterkirche

Kloster Amelungsborn.
Am Vorabend des Reformationsfestes baten der Kirchenkreis Holzminden-Bodenwerder und das Kloster Amelungsborn zum Jahresempfang 2011. In der anmutig beleuchteten Klosterkirche begrüßte Superintendent Ulrich Wöhler die Vertreterinnen und Vertreter der Gemeinden, den Freundeskreis des Klosters und die Träger öffentlicher Verantwortung.

Unter Mitwirkung des Blockflötenensembles des Kirchenkreises konnte Kreiskantorin Christiane Klein die „Feste Burg“ der reformatorischen Gottesgeborgenheit auch musisch zur Geltung bringen.
Der Abt des Klosters, Landessuperintendent Eckhard Gorka, wies die Anwesenden dann in das Thema des Abends ein: Armut, die beschämt. Das Thema ist biblisch mannigfach belegt. Niemand kann hier Ahnungslosigkeit vorschützen. Beschämende Armut muss von Christen zur Sprache gebracht werden.
Abt Gorka begrüßte dazu den Referenten des Abends, Oberlandeskirchenrat Dr. Christoph Künkel. Künkel ist zugleich Direktor des Diakonischen Werkes der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers. Die Gäste waren sich einig: In seinem Vortrag stellte er seine Kompetenz brillant unter Beweis.
Die Scham der Armut begegnet nicht erst auf Behördenfluren; sie beginnt mit erniedrigenden Sprach- und Handlungsregelungen, die Betroffenen ihre Würde und eigene Erfahrungskompetenz  abspricht. Anträge und Formulare werden ohne Expertenwissen der Armen erstellt, Lebensprioritäten festgelegt ungeachtet individueller Bedürfnisse. Das eigentlich verwertbare Wissen über Armsein bleibt so ungenutzt, der Respekt vor dem Bedürftigen geht verloren. Wer Armut für ein weitgehend städtisches Phänomen hält und auf dem Land mehr nachbarschaftliches Engagement ausmacht, täuscht sich. Armut ist längst im ländlichen Raum angekommen. Und was kann man tun?
Christoph Künkel verwies auf die Tafeln, die zunehmend auch auf dem Land entstehen. Er rief zu Runden Tischen auf, an denen Betroffene ihre Erfahrungen und Belange selbst formulieren können. Die Entscheidungsträger ermutigte er, diese Kompetenzen und Synergien zu nutzen, um zielgerichtet helfen zu können.
Schließlich nannte er das Grundanliegen der Hilfe der Kirche: Diakonie muss Nähe schaffen. Nähe, wo verschämte Armut – auch Altersarmut –  herrschen, Nähe, wo Armut Begegnungen und Beteiligung, etwa bei Klassenfahrten, aus Scham unmöglich macht. Beispielhaft nannte er Verhandlungen mit dem Landkreis Holzminden und einer Kommune, in der Scheckkarten mit Leistungen im Bildungs- und Sozialbereich Kindern und Jugendlichen zur Verfügung gestellt werden. Ob Eltern oder freie Kostenträger diese Karten finanziell „geladen“ haben, ist der Karte nicht anzusehen. Die laufenden Gespräche machen Hoffnung, hier gute Erfahrungen zu erwarten.
Im anschließenden Begegnungsraum um den Hochaltar des Klosters wurden unter Bewirtung der Mitarbeiter des Kirchenkreisamtes die Impulse lebhaft und konstruktiv diskutiert.
Ein wahrhaft Runder Tisch des Herrn, am Vorabend zum Reformationsfest, an dem im Angesicht der Gnade Gottes die freien Liebeswerke erörtert wurden und schließlich in der Komplet, im Abendgebet, mündeten.

Pastor Horst Friedrich Härke
Öffentlichkeitsbeauftragter im Kirchenkreis Holzminden-Bodenwerder

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