➯ „Es geht wirklich!“

Sechster Fachtag Inklusion an der Diakonie Himmelsthür zum Abgleich von Erfahrungen und Zielen

Eugenia Meranke bei einer „Feedback-Performance“ des Unternehmenstheaters „Narrenspiegel“.								     Foto: Hüsemann
Eugenia Meranke bei einer „Feedback-Performance“ des Unternehmenstheaters „Narrenspiegel". (Foto: Hüsemann)

Hildesheim-Sorsum. Zum sechsten Mal hat die Diakonie Himmelsthür Fachleute und Interessierte zum Fachtag Inklusion eingeladen. Anfangs sei manches noch graue Theorie gewesen, in den zurückliegenden zweieinhalb Jahren habe man jedoch viele praktische Erfahrungen sammeln können, sagte Direktor Ulrich Stoebe bei seiner Begrüßung. Die erste und wichtigste laute: „Es geht wirklich!“

Inklusion ersetzt als Fachwort den bisher gebräuchlichen Begriff der Integration. Gemeint ist die selbstverständliche Teilhabe aller Menschen am Leben der Gesellschaft – auch derer, die einen hohen Assistenzbedarf haben wie Menschen mit geistigen oder/und körperlichen Behinderungen.

„Nicht alles, was man sich vornimmt, klappt hundertprozentig“, räumte Ulrich Stoebe ein. Das sei auch kein Wunder, weil man einen neuen, kaum erkundeten Weg beschreite. Zudem gebe es „kein Normkonzept Inklusion“, sondern alle Maßnahmen müssten sich am konkreten, einzelnen Menschen orientieren. Trotz dieser Einschränkungen stehe der Weg an sich nicht in Frage, betonte der Diakonie-Direktor vor mehr als 100 Gästen, darunter Astrid Fennen vom niedersächsischen Sozialministerium und Ingrid Mellin vom Landeselternrat.

Judith Hoffmann, seit Miite Oktober die neue Geschäftsführerin der Region Hildesheim in der landesweit aktiven Diakonie Himmelsthür, sagte, sie sei beeindruckt, wie viele neue Ideen in kürzester Zeit angestoßen und auch umgesetzt worden seien. 116 Wohnplätze in der Sorsumer Zentraleinrichtung sind bereits abgebaut und in stadtnahe Angebote umgewandelt worden.

„Wir müssen noch wendiger und flexibler werden, in kleinen Einheiten denken“, lautet Judith Hoffmanns Vorgabe für die Zukunft. Um diesem Ziel näher zu kommen, sollen nicht nur Wohnmöglichkeiten, sondern auch Förderangebote in die Stadt verlegt werden. Im kommenden Jahr wird ein Tagesförderungsbereich an der Marienburger Straße eröffnet werden.

Andreas Enzmann von der Nieder-Ramstädter Diakonie berichtete von ähnlichen Prozessen. In dem hessischen Unternehmen werde die Zentrale aufgelöst und in einen normalen Stadtteil verwandelt, neue barrierefreie Wohnungen entstünden in Zentrumsnähe. Enzmann nahm die früheren Aktivitäten der Eingliederungshilfe kritisch unter die Lupe: „Unsere Großeinrichtungen hospitalisieren und verhindern Integration.“ Deshalb habe sich die Nieder-Ramstädter Diakonie beim Umgang mit ihren alten Heimen für einen kompromisslosen Kurs entschieden: „Wir bauen nicht zurück, wir machen platt.“

Inklusion sei allerdings eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft, sagte Dunja Wörthmann von der Alsterdorf-Assistenz Hamburg: „Wir als Behindertenhilfe können keine Inklusion machen, sondern nur die nötigen Strukturen schaffen.“ Sie plädierte dafür, den gesamten Sozialraum in den Blick zu nehmen, wenn Menschen aus großen Heimen in normale Stadtwohnungen umziehen. „Vom Fall ins Feld“, lautete ihre Devise. Das Leben im Stadtteil biete viele Chancen zur Vernetzung und Kooperation. „Gehen Sie kleine Schritte“, riet Dunja Wörthmann, und: „Pressen Sie ihre Klienten nicht in die bekannten, vorgegebenen Strukturen!“

Diesem Anspruch stellte sich der Fachtag auf seine eigene Weise: Erstmals waren nicht nur Fachleute, sondern auch viele Betroffene unter den Gästen. Zwei von ihnen nahmen an der abschließenden Podiumsdiskussion teil, berichteten von ihren Erlebnissen und Plänen nach dem Umzug in die Stadt. Auch das heißt Inklusion: Man redet miteinander – nicht übereinander.

Text: Kultur und Kommunikation (Ralf Neite)

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