➯ Spuren von Gott

Das Polizeimusikkorps Niedersachsen gibt für die Stiftung „Familien in Not“ ein Benefizkonzert in St. Andreas

Das Polizeimusikkorps mit seinem Leiter Thomas Boger in St. Andreas

Hildesheim. „Vielleicht denken wir heute einfach mal nicht an die unscharfen Fotos, die man manchmal nach Haus geschickt bekommt“, schlägt Pastor Frank Waterstraat mit einem ironischen Lächeln vor und weist auf die uniformierten Männer und Frauen hin, die den Altarbereich der Andreaskirche besetzt halten. Sie sind dienstlich hier, aber in ganz besonderer, in musikalischer Mission. Der Leiter der evangelischen Polizeiseelsorge in Niedersachsen weiß genau, dass man immer wieder daran erinnern muss: „Unsere Polizei ist eine Organisation, die tatsächlich für die Schwachen eintritt, die denen hilft, die sich nicht allein helfen können. Und die Kollegen werden oft dabei an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gebracht, wenn sie etwa Gewalt in Familien erleben oder zu schweren Verkehrsunfällen ausrücken. Gerade in belastenden Situationen muss man daran denken, dass es auch Spuren von Gott gibt in unserem Leben. Eine dieser Spuren ist gewiss die Musik.“

Der Beweis wird dann auch unverzüglich angetreten. Die Gäste führen Trompeten, Saxophone, Posaunen an ihre Lippen: Der Star des abendlichen Benefiz-Konzertes ist schließlich das Polizeimusikkorps Niedersachsen, das auf seiner adventlichen Tournee seinen Schlusspunkt in St. Andreas setzt und mit einem empfindungsvollen „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ für vorweihnachtliche Stimmung sorgt. Ein Umstand, der vielleicht umso deutlicher hervortritt, weil gerade in diesem Moment ein Orkan namens Joachim mit reichlich Regen und Wind durch die Hildesheimer Innenstadt heult und wohl auch manchen Konzertgänger vom Besuch abhält.

Das mit etwa 40 Polizistinnen und Polizisten besetzte Blasorchester, das zudem über reichlich Schlagwerk und Kontrabass verfügt, hält mit einschmeichelnder Feinheit und großer Energie dagegen, beginnt sanft mit „Es ist ein Ros entsprungen“ und leitet unter Thomas Bogers Leitung in mitreißende Renaissance-Tänze über. Die spielerische Souveränität ist ebenso hörbar wie auftrumpfende Leidenschaft, sicher nicht zuletzt deshalb, weil das Konzert einer guten Sache dient. Schon Superintendent Helmut Aßmann weist in seiner Begrüßung darauf hin, dass der vierte Advent der Mutter Maria gewidmet ist – damit der Fürsprecherin der Schwachen und Armen.

Ganz in diesem Sinn versteht sich auch die Stiftung „Familien in Not“ des ev. lutherischen Kirchenkreises Hildesheim-Sarstedt, die es sich zur Aufgabe gemacht hat Kinder aus einkommensschwachen Familien zu unterstützen. „Und zwar in persönlichem Kontakt zu den Betroffenen und unter der Berücksichtigung der ganz individuellen Situation“, wie Astrid Schreiner vom Stiftungsvorstand erklärt. Dies könne die Übernahme von Kosten des täglichen Lebens, von Klassenfahrten, Sport oder Förderunterricht ebenso bedeuten wie Soforthilfe in akuten Notsituationen. Damit dieses Projekt weiterhin zielgenau Hilfe leisten und ausgebaut werden könne seien natürlich weitere Spenden und Stiftungen nötig.

So spielen schon einmal die Gäste aus Hannover ohne Gage auf – und bringen mit voller Kraft die ehrwürdigen Mauern zum Vibrieren. Mit Stücken wie der „Suite from Hymn of the Highlands“ des englischen Komponisten Philip Spark oder einer machtvoll anschwellenden „Russian Christmas“ zeigt das Orchester, über wie viel Kraft und Spielintensität es verfügt, wie es die leisen, besinnlichen Töne mit gewaltigen, mitreißenden Entladungen, mit erhabenen Glockenschlägen und Trommelwirbeln zu verbinden weiß. Am Ende stehen dann alle Zuhörer begeistert in den Reihen und applaudieren. Himmel und Erde sollten sich ein Stück weit näher kommen, so hatte es Superintendent Aßmann schon am Anfang formuliert – in der Unterstützung der Schwachen ebenso wie in der Musik. Das Gefühl jedenfalls ist stark, dass es funktioniert haben könnte.

 

Text und Fotos: Kultur & Kommunikation (André Mumot)

 

 

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