➯ „Trennungen in den Köpfen überwinden“

Sozialministerin Aygül Özkan zu Besuch in der Diakonie Himmelsthür

Heilerziehungspflegerin Kerstin Braun, Fachbereichsleiter Reinhard Komischke-Mast und Facharzt Dr. Hans Ulrich Peltner (von links) informieren über die Angebote der Diakonie Himmelsthür für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen.

Hildesheim-Sorsum. Inklusion ist seit der Behindertenrechts-Konvention der Vereinten Nationen in aller Munde. Dass es dabei um mehr geht als einen vorübergehenden Trend, stellte die niedersächsische Sozialministerin Aygül Özkan am heutigen Dienstag bei einem Besuch in der Diakonie Himmelsthür klar. „Das Thema wird uns in der Tat noch lange beschäftigen“, sagte sie im Gespräch mit Leitung des landesweit größten Dienstleisters für Menschen mit Behinderungen.

Direktor Ulrich Stoebe begrüßte die Ministerin in der Unternehmenszentrale in Hildesheim-Sorsum. „Wir sehen Ihren Besuch auch als Zeichen der Wertschätzung für die diakonische Arbeit“, so Stoebe, und die habe in der Diakonie Himmelsthür bereits eine mehr als hundertjährige Tradition. In jüngster Zeit sei die Inklusion – die selbstverständliche und volle Teilhabe aller Menschen am Leben der Gesellschaft – „für uns zum Kompass einer Neuausrichtung geworden“. Dies schlage sich nicht zuletzt in dezentralen, an den individuellen Wünschen der Menschen orientierten Wohn- und Förderangeboten nieder.

„Wir glauben, dass Inklusion nicht ein Thema für Randgruppen, sondern ein ganz zentrales gesellschaftliches Thema ist“, sagte Ulrich Stoebe und stieß bei der Sozialministerin auf offene Ohren. Inklusion dürfe sich nicht auf Menschen mit Behinderungen beschränken, sondern müsse auch für Menschen mit Migrationshintergrund, beeinträchtigte Seniorinnen und Senioren oder andere Menschen mit Unterstützungsbedarf realisiert werden, so die CDU-Politikerin. Das könne freilich nur ein „sachter, vorsichtiger, langsamer Prozess“ sein. Aygül Özkan: „Inklusion heißt, dass man Trennungen, die in den Köpfen4 gemacht werden, überwindet.“

Bei einem Rundgang durch den Kinder- und Jugendbereich der Diakonie Himmelsthür wurde deutlich, dass Menschen mit Behinderungen sehr unterschiedlichen Assistenzbedarf haben und es keine Norm für Teilhabe und Wahlmöglichkeiten gibt. Im Haus Arche leben unter anderem Kinder und Jugendliche mit sehr hohem medizinischen Unterstützungsbedarf – einige von ihnen müssen beispielsweise seit ihrer Geburt künstlich beatmet werden und sind aller Voraussicht nach auch für den Rest ihres Lebens auf diese Hilfe angewiesen.

„Das Wesentliche ist für uns, dass wir die Kinder nicht nur versorgen, sondern ihnen auch Förderangebote machen“, erläuterte Reinhard Komischke-Mast, Fachbereichsleiter Wohnen im Kinder- und Jugendbereich. Dazu gehören auch Schulklassen und Vorschulklassen, die sich im selben Haus befinden. Das Lernangebot richtet sich hier ganz nach den jeweiligen Bedürfnissen der Kinder.

Sie halte solch eine variable Eingliederungshilfe für eine gute Lösung, sagte die Ministerin nach dem Rundgang: Einerseits unterstütze die Diakonie Himmelsthür Menschen bei ihrem Weg in eine größtmögliche Selbstständigkeit bis hin zur eigenen Wohnung mitten in der Stadt, andererseits ermögliche sie einen Schutzraum und einen hohen Grad von Assistenz für alle, die darauf angewiesen seien. „Man darf sich nicht der Illusion hingeben, dass das Eine durch das Andere ersetzt werden kann“, so Aygül Özkan. Zum Abschluss sprach sie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern „ein großes Lob“ aus und verabschiedete sich mit den Worten: „Schönen Gruß und frohes Schaffen!“

Text und Fotos: Kultur & Kommunikation (Ralf Neite)

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