➯ Ein Leben im Rollstuhl und die Sehnsucht nach Selbstständigkeit

Elke Rabe hat ihre Erinnerungen erzählt / Doch noch die Liebe gefunden

Gut gelaunt bei ihrer ersten Lesung: Die Autorin Elke Rabe mit ihrem Verlobten Klaus-Peter Duwe.

Hildesheim. Ohne ihren Verlobten will sie nicht anfangen. Schließlich hat Elke Rabe lange auf ihren Traummann gewartet, da können sich die Gäste ihrer Lesung auch noch ein paar Minuten gedulden, bis Klaus-Peter Duwe neben ihr Platz genommen hat.

Elke Rabe stellt mit einer Lesung in der Begegnungs- und Beratungsstätte „Treffer“ der Diakonie Himmelsthür ihre Autobiographie vor. Die Veranstaltung ist Teil des Rahmenprogramms zur Ausstellung „Vielfalt Alter“. Elke Rabe erzählt aus ihrem Leben mit einer Behinderung, lustige und schmerzliche Erinnerungen, Geschichten von Herzenswärme und Liebe, aber auch von Missachtung und Hilflosigkeit.

Ganz allein hat Elke Rabe ihr Buch nicht fertiggestellt, Sozialwirtin Andrea Strobel-Brunke, bei der Diakonie Himmelsthür für den Geschäftsbereich Kundenorientierung zuständig, hat ihr dabei geholfen, alles aufzuschreiben. Doch beide haben darauf geachtet, dass die Formulierungen immer genau Elke Rabes Wünschen entsprechen.

Die begrüßt ihre Gäste selbst und ganz ohne Spickzettel. Weil ihre Sprache oft schwer zu verstehen ist, hilft Andrea Strobel-Brunke manchmal aus. Nach zweieinhalb Jahren gemeinsamer Arbeit an den Erinnerungen hat sie sich gut in Elke Rabes Aussprache hineingehört. Sie übernimmt es auch, Ausschnitte aus der Lebensgeschichte vorzulesen.

Als Elke Rabe 1951 in Giesen in der Dachwohnung ihrer Großeltern mit einer Behinderung zur Welt kam, gab es wenig Unterstützung für die Familie. Die Eltern arbeiteten, bekamen fünf weitere Kinder. Elke Rabe wuchs bei den Großeltern auf, die sich liebevoll um sie bemühten. Besonders an den Großvater, der auch immer für einen Spaß gut war, hat sie die besten Erinnerungen.

Sie war 13 Jahre alt, ehe sie ihren ersten richtigen Rollstuhl bekam. Dann konnte sie auch zusammen mit ihrer Schwester die Schule besuchen, allerdings nur vier Jahre. Als die Großmutter krank wurde und sie nicht mehr bringen konnte, war der Schulbesuch für Elke Rabe beendet.

Die Abhängigkeit von der Fürsorge der Verwandten wurde immer dann besonders deutlich, wenn diese selbst erkrankten. Als ihre Mutter 2003 ins Krankenhaus musste, wusste sich die Familie keinen anderen Rat, als Elke Rabe vorübergehend in einem Altenheim unterzubringen. Doch dort fühlte sie sich an den Rand gedrängt und vernachlässigt. Viel zu lange habe man sie im Bett oder allein an einem Tisch gelassen, im Speiseraum habe sie niemand als Tischnachbarin haben wollen. Diese Erfahrung führte schließlich dazu, dass Elke Rabe 2006 in die Diakonie Himmelsthür umzog.

Bei einem Rechenkurs lernte sie 2010 Klaus-Peter Duwe kennen. Als ihre Schwestern und Brüder sich zum ersten Mal verliebten, da habe auch sie von der Liebe geträumt, erzählt Elke Rabe. Nun schien dieser Traum für sie Wirklichkeit zu werden. Sie freundete sich mit Klaus-Peter Duwe an, beide besuchten sich gegenseitig in ihren Wohngruppen, gingen gemeinsam kegeln und feierten schließlich Verlobung. Trotzdem entschied sich Elke Rabe zum Umzug von Sorsum fort nach Hildesheim in das Bernhard-Isermeyer-Haus, weil sie sich in ihrer Gruppe nicht richtig wohl fühlte. Die Entscheidung, von ihrem Verlobten fortzuziehen, fiel schwer, habe sich aber als richtig erwiesen. Sie genieße jetzt größere Selbstständigkeit und Freiheit, schreibt Elke Rabe.

Der Umzug werde sicher nicht das letzte Kapitel der Lebensgeschichte Elke Rabes bleiben, sagte Andrea Strobel-Brunke zum Abschluss. Schließlich steht auch „lernen mit dem Computer zu schreiben“ auf Elke Rabes Wunschliste für die Zukunft

Text und Foto: Kultur & Kommunikation (Wiebke Barth)

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