Auschwitz-Gedicht „Und es war ein Tag“

Dichterin Nora Gomringer bekommt Ringelnatz-Preis für Lyrik

Cuxhaven (epd). Die Bamberger Dichterin Nora Gomringer (32) bekommt am Samstag den mit 15.000 Euro dotierten Joachim-Ringelnatz-Preis für Lyrik der Stadt Cuxhaven. „Nora Gomringer schenkt uns das Glück, über federleicht schwere Verse zu staunen, deren auch ganz leise Töne sehr weit reichen“, sagte der Juryvor- sitzende und Göttinger Literaturwissenschaftler Frank Möbus. Die Auszeichnung zählt zu den höchsten Lyrikpreisen im deutschsprachigen Raum.

Nicht zuletzt aufgrund ihres Auschwitz-Gedichtes „Und es war ein Tag“ zählt Gomringer für die vierköpfige Jury zu den besten Lyrikerinnen des 20. und 21. Jahrhunderts. „Das ist das perfekte Gedicht“, betonte Möbus. Bei ihrer Arbeit wundere sich das Publikum, „lacht, weint und erschrickt. Was bleibt, das ist reine Freude an der Kraft der Poesie.“

Gomringer bekam im vergangenen Jahr den Jacob-Grimm-Preis für Deutsche Sprache und gewann bereits 2004 die Deutsche Meisterschaft im „Poetry Slam“. Mit ihrem herausragenden Talent habe sie es geschafft, Lyrik für ein junges Publikum attraktiv zu machen, betonte Möbus.

Die Preisträgerin hat das Recht, einen mit 5.000 Euro dotierten Nachwuchspreis zu vergeben. Gomringer sprach sich für den spanischstämmigen Poeten José Oliver aus, der 1961 in Hausach im Schwarzwald geboren wurde und dort bis heute als freier Schriftsteller lebt. Neben seinem Schreiben brilliere er mit einer Werkstatt, die die Jüngsten ermuntere, sich der Lyrik zu öffnen, lobte Gomringer.

Mit dem Preis werden seit 2002 im zweijährigen Turnus Dichterinnen und Dichter ausgezeichnet, die einen bedeutenden künstlerischen Beitrag zur deutschsprachigen Gegenwartslyrik geliefert haben. Haupt- und Nachwuchspreis finanzieren die Stadtsparkasse Cuxhaven und die VGH-Versicherungen. Ausgezeichnet wurden bisher Peter Rühmkorf, Robert Gernhardt, Wolf Biermann, Barbara Köhler und Wulf Kirsten. Gomringer ist die bisher jüngste Preisträgerin.

Cuxhaven fühlt sich dem Andenken an Ringelnatz (1883-1934) verpflichtet. Dort war der Dichter, der eigentlich Hans Gustav Bötticher hieß, während des Ersten Weltkrieges bei der Marine stationiert. Hier erfand er wohl auch sein berühmtes Pseudonym. In Cuxhaven befindet sich zudem das einzige Joachim-Ringelnatz- Museum.

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