Kunst schafft neue Freundschaften

Bildhauerprojekt in der Poppenburg führt Menschen mit und ohne Behinderung zusammen

Burgstemmen. Zu erleben, wie sich drei große Steinquader allmählich in eine Katze, einen Hasen und einen Schäfer verwandeln, war schon spannend genug. Umso mehr, wenn man selbst zur Verwandlung beigetragen hat. Doch es gab noch etwas Aufregenderes beim Skulpturenprojekt in der Poppenburg: „Uns ist aufgefallen, dass der Kontakt mit anderen Menschen eigentlich der größte Reiz für die Beteiligten war“, resümiert Jochen Jürgens, Mitarbeiter der Diakonie Himmelsthür.

Alle fassen mit an, denn er Schäfer, die größte Skulptur, muss für den letzten Feinschliff noch einmal gedreht werden. Geschätztes Gewicht des Steins: Anderthalb Tonnen.

Knapp zwei Wochen lang ist der Burghof an der Leine ein Bildhauer-Atelier gewesen. Unter der Anleitung des Profis Andree Woosmann bearbeiteten die Bewohnerinnen und Bewohner der Poppenburg, Menschen mit geistiger Behinderung, zusammen mit Besucher/innen aus den umliegenden Orten und der Diakonie-Künstlergruppe „Wilderers“ aus Hildesheim-Sorsum die tonnenschweren Steine.

„Es gab keine Berührungsängste“, staunt Mitarbeiter Jan Kroupa, der wie sein Kollege Jochen Jürgens das ganze Projekt über eine Bildhauer-Schürze umgebunden und selbst mit angefasst hat. Drei Schülerinnen aus der Marienbergschule in Nordstemmen waren ebenfalls mit von der Partie, außerdem zwei Frauen aus Wülfingen und Himmelsthür, die in der Zeitung davon erfahren und gelesen hatten, dass helfende Hände immer willkommen seien. Es wird wohl nicht bei diesem einmaligen Kontakt bleiben, meint Jan Kroupa: „Die Schülerinnen haben gefragt, ob sie mal wieder herkommen und vielleicht einen Spieleabend machen können. Und die Frau aus Wülfingen hat angeboten, auch bei künftigen Projekten wieder mitzumachen.“

Gemeinsam, immer vier Menschen pro Stein, wurde die Oberfläche des Muschelkalk-Sandsteins mit dem Knüpfel, einem Holzhammer bearbeitet. Meißeln, Hämmern und Schleifen waren die am häufigsten verwendeten Techniken, „sie bringen unterschiedliche Oberflächen hervor“, so Andree Woosmann. Für ihn war es bereits das dritte Skulpturenprojekt in der Diakonie Himmelsthür – diesmal, durch eine Spende des Freundevereins, habe man mehr Zeit gehabt als sonst. „Das war entspannter und zugleich sehr intensiv“, sagt Andree Woosmann.

„Und es war familiärer“, ergänzt Almut Heimann, die Kunstpädagogin der Diakonie Himmelsthür. In der Poppenburg wurde nicht nur gearbeitet, sondern auch gemeinsam gegessen und Kaffee getrunken. „Beim Essen kann man die Kontakte vertiefen“, bestätigt Jochen Jürgens. Er selbst hat so Feuer gefangen, dass er am letzten Projekttag wieder zur Stelle ist, obwohl er eigentlich Urlaub hat.

Unterstützung kam auch von den beiden Vereinen Dorfkultur und Bücherei Burgstemmen. Dies eine wichtige zusätzliche Motivation gewesen, sind sich Jan Kroupa und Jochen Jürgens einig. „Das macht Mut, weitere Projekte dieser Art durchzuführen“, sagt Jochen Jürgens.

Für die Mitarbeiter steht auch außer Frage, dass es sich gelohnt hat, die Teilnehmer/innen des Projektes von ihrer normalen Arbeit in den proWerkstätten Himmelsthür und in der Tagesförderung freizustellen. Am Anfang sei es nicht leicht gewesen, für jede und jeden das richtige Maß bei der anstrengenden und anspruchsvollen künstlerischen Arbeit zu finden, berichtet Jan Kroupa. „Aber schließlich sind hier alle über sich hinausgewachsen.“

Text und Fotos: Kultur & Kommunikation (Ralf Neite)

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