Geschmackloser Spot(t)

EKD-Ratsvorsitzender nennt Sat.1-Werbespot geschmacklos

Hannover (epd). Evangelische Kirchenvertreter haben den Sat.1- Werbespot zum Champions-League-Finale, der mit einer Fußballversion des „Vater Unser“ wirbt, scharf kritisiert. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, bezeichnete den Trailer am Mittwoch als „eine geschmacklose Grenzüberschreitung“. Kritik kam auch vom EKD-Sportbeauftragten Bernhard Felmberg, der den Werbefilm geschmacklos, „ärgerlich und überflüssig“ nannte.

Schneider sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd): „Wir erleben den Tanz ums Goldene Kalb: Alles ist Gegenstand der Kommerzialisierung und wird zur Ware gemacht, sogar das Vater Unser.“ Das Gebet der Christenheit diene in dem Werbespot dazu, eine Produktwerbung religiös zu überhöhen. „Soweit darf man um der Einschaltquoten und um der Produktwerbung willen aber nicht gehen.“ Der Spot verletze die Gefühle von Christen und missachte den gebotenen Respekt vor der Heiligkeit Gottes.

Felmberg sagte dem Internetportal „evangelisch.de“, in dem Werbespot werde der Text des „Vater Unsers“ missbraucht, „der bekannteste Text und das höchste Gebet der Christenheit“. Vielen Menschen gebe dieses Gebet in existenziellen Situationen Halt, sagte Felmberg. „Es ist einfach eine Distanzlosigkeit, wenn man seine eigen Marke, nämlich den Hinweis auf dieses große Finale, nur dadurch aufpeppt, dass man es religiös überlädt.“

Auch Bayerns evangelischer Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm findet den Werbespot „voll daneben“. Er fühle sich aber mit der Aktion nicht in seinem Glauben angegriffen, „dazu bin ich mir meines Glaubens viel zu sicher“, sagte er dem epd in Würzburg. Der EKD-Medienbeauftragte Markus Bräuer sprach ebenfalls von einer Grenzverletzung. Das „Vater Unser“ als ältestes Gebet der Christenheit zu entstellen und vom Fußballgott zu reden, verletze die Gefühle vieler Christen. „Das geht zu weit“, sagte Bräuer.

Am Sonnabend findet das Champions-League-Finale zwischen dem FC Bayern München und dem FC Chelsea in der Münchner Allianz Arena statt. Der Sat.1- Trailer wirbt mit folgendem Text – einer Abwandlung vom „Vater Unser“ – für das „Finale dahoam“: „Lieber Fußballgott, dein Ball komme, dein Spiel geschehe. Unsere Tore gib uns heute, und vergib uns unsere Fouls, wie auch wir vergeben den Schiedsrichtern. Und führe uns nicht ins Abseits, sondern bewahre uns vor Kontern. Denn dein ist das Spiel und der Sieg und die Champions League, in Ewigkeit. Auf geht’s.“

 

 

Ökumenische Presseerklärung
Ev.-luth. Sprengel Osnabrück * Kath. Bistum Osnabrück * Ev.-ref. Synodalverband Emsland-Osnabrück

Mit einem geschmacklosen Spot wirbt der Fernseh-Sender SAT.1 für das heutige Champions-League-Finale zwischen dem FC Bayern München und dem FC Chelsea. Das Gebet Jesu, das die Welt umspannt und alle Christen verbindet, wird dabei verballhornt. Wörtliche Zitate werden mit dem „Fußballgott“ und der „Vergebung“ für Fouls und Schiedsrichter verbunden. Die angehängte Nennung von einer Automarke und einer Bank als Sponsoren unterstreicht den kommerziellen Charakter der Veranstaltung und des Werbe-Trailers.

Wir als Vertreter unserer Kirchen in Osnabrück bekommen Post. Viele Gläubige fühlen sich verletzt und sind verstört. Das Vaterunser schenkt immer wieder vielen Menschen Trost und ist für sie mit Abstand das wichtigste Gebet. Es ist Ausdruck ihres Glaubens. Hier wird etwas, das vielen Menschen heilig ist, im wahrsten Sinn des Wortes wie ein Fußball „mit Füßen getreten“. Wir Christen wollen in Gesprächen mithelfen, ein größeres öffentliches Problembewusstsein herzustellen, das künftig solchen Entgleisungen entgegenwirkt.

Wir wünschen allen Fußballfreunden für den Abend das, was die Veranstaltung war, ist und bleiben soll: ein spannendes Spiel – für das nicht auf Kosten der Gefühle anderer geworben werden muss.

Dr. Burghard Krause , Landessuperintendent des ev.-lutherischen Sprengels Osnabrück
Dr. Heinrich Plock, Ökumenebeauftragter des katholischen Bistums Osnabrück
Ilse Landwehr, Präses des ev.-reformierten Synodalverbandes Emsland-Osnabrück

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