„Paddel voraus – und los!“

Menschen mit Behinderung trainieren für das Drachenbootrennen auf dem Maschsee

Das Drachenboot am Steg des Hannoverschen Kanu Clubs liegt ziemlich schief im Wasser. „Es wird bankweise eingestiegen. Zuerst die Paddler, die rechts auf der Bank sitzen, dann der Nachbar links auf derselben Bank – nicht alle zuerst auf der rechten Seite“, interveniert die Teamkapitänin Daniela Knoop. „Sonst kentert das Boot!“

Das ist ein wichtiger Hinweis für die Besatzung, denn fast alle besteigen zum ersten Mal ein Drachenboot. Bisher waren die Menschen mit geistiger Behinderung nur Zuschauer bei den jährlichen Hannover Dragonboatraces auf dem Maschsee, jetzt paddeln 13 von ihnen selbst mit – zusammen mit Mitarbeitenden der Diakonie Himmelsthür bilden sie das Team „Die Glücksritter“.

„Die Glücksritter“ beim Training auf dem Maschsee.

Daniela Knoop ist Wohnbereichsleiterin in einem Wohnangebot für Kundinnen und Kunden der Diakonie Himmelsthür und in ihrer Freizeit leidenschaftliche Drachenbootfahrerin. Mit ihrem Interesse steckte sie ihre Kolleginnen und Kollegen an und suchte nach Möglichkeiten, die Teilnahme am beliebten Event auch für Menschen mit Behinderung zu realisieren. Die Niedersächsische Lotto-Sport-Stiftung konnte schließlich zur Finanzierung gewonnen werden. „Die Bewohnerinnen und Bewohner haben nur ein kleines Taschengeld, damit können die Startgebühren, die benötigten extra Trainingseinheiten und die wichtigen passenden T-Shirts nicht finanziert werden“, erklärt Daniela Knoop.

Die Menschen mit Assistenzbedarf erhalten in den Wohnangeboten in Hannover und Hildesheim individuelle Unterstützung bei Lernschwierigkeiten und psychosozialen Teilhabeproblemen. In ihrer Freizeit fahren sie sonst Rad, hören Musik oder spielen am Computer. Das Drachenboottraining ist nun ein ganz besonderes Event.

Nachdem alle trockenen Fußes einen Platz im Boot gefunden haben, kann es losgehen: „Paddel voraus – und los!“, ruft Steuermann Dirk Moldenhauer von hinten und das 13 Meter lange Drachenboot setzt sich behäbig in Bewegung.

„Es sieht noch etwas chaotisch aus“, meint Teamkapitänin Daniela Knoop, aber sie weiß aus Erfahrung: Nach den ersten 20 Paddelschlägen finden alle in den Rhythmus.

Nach einer guten Stunde ist die Trainingseinheit zu Ende und „Die „Glücksritter“ der Diakonie Himmelsthür legen am Steg an – einige haben vom Vordermann mehr Wasser abbekommen als ihnen lieb waren. “Das macht Spaß, aber der Muskelkater hinterher ist voll doof“, meint Glücksritterin Nadine Kühler-Tschirner. Auch sie spricht aus Erfahrung.

Info-Abspann: Vom 26. bis 28. Mai starten 139 Drachenbootteams und „Die Glückritter“ bei den Hannover Dragonboatraces. Start ist jeweils um 8 Uhr auf dem Maschsee in Hannover.

Text und Foto: Kultur & Kommunikation

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