Ein bisschen Neid unter Brüdern

Superintendent Aßmann und Dechant Voges sprechen bei den Hochschulgemeinden über Ökumene

Hildesheim. Evangelisch oder katholisch? Für Superintendent Helmut Aßmann und Dechant Wolfgang Voges steht fest: Sie wollen und wollten immer sein, was sie sind. Und trotzdem schielen sie manchmal mit etwas Neid auf die andere Konfession. Im Café Kolja sind sie auf Einladung der Evangelischen Studentengemeinde und Katholischen Hochschulgemeinde der Frage nach der Ökumene – dem Trennenden und Verbindenden – nachgegangen.

In der evangelischen Kirche falle es schwerer, ein Gefühl für das Heilige zu wecken, findet Superintendent Aßmann. Das komme in der katholischen Messe selbstverständlicher zum Ausdruck. „Der besondere Umgang mit dem Heiligen – das ist echt zum Katholischwerden“, sagt Aßmann scherzend. Ihm erscheine der Katholizismus sinnlicher, farbenprächtiger, er habe deshalb eine starke Außenwirkung, insbesondere durch die Wunder: „Da arbeitet Gott persönlich.“

Doch dass Rom die evangelische Kirche gar nicht als echte Kirche ansehe, nehme er übel. Für die Katholiken sei die Kirche nur als Einheit denkbar, an deren Heiligkeit der Gläubige Anteil hat. Da gebe es Schablonen, die einengen und abgrenzen. Bei den evangelischen Christen dagegen müsse sich jeder selbst den Glauben aneignen, sie ließen sich auf andere Auslegungen ein. Die Kirche sei für sie in der Praxis oft nicht viel mehr als ein „Dachverband“.

Gerade „die Portion Nüchternheit, die wir im Glauben brauchen“, und die Ausrichtung am Wort Gottes gefalle ihm bei den evangelischen Christen, erklärte Dechant Wolfgang Voges. Martin Luther habe den Blick auf das Wort geschärft. An seiner Konfession habe er grundsätzlich nichts auszusetzen – vielleicht am momentan weniger offenen Kurs in den ökumenischen Fragen. Doch das sei eher zeitbedingt und werde sich positiv verändern.

Von Hochschulpastorin Uta Giesel und Pastoralreferent Clemens Kilian nach dem Trennenden zwischen den Konfessionen gefragt, unterschieden Helmut Aßmann und Wolfgang Voges zwischen der theologischen und der praktischen Ebene. Theologisch trenne die Auffassung des Weiheamtes sowie die Vorrangstellung des Papstes. Praktisch funktioniere in Hildesheim die Ökumene sehr gut und an der Basis sei den Gläubigen das Gemeinsame wichtiger als das Trennende.

„Eine schmerzhafte Wunde“ sei es, dass evangelische Christen nicht zusammen mit ihren katholischen Ehepartnern zur Eucharistie gehen dürften, meinte Superintendent Aßmann. Dechant Voges stimmte ihm zu und verwies in diesem Zusammenhang auf die Gewissensentscheidung des einzelnen, die die katholische Kirche immer respektiert habe.

Das Gespräch der Kirchenvertreter zeigte einen kollegialen Umgang miteinander, der Kritik und ein paar Spitzen erlaubte, aber nie den anderen bloßstellte. Beide sehen für die Zukunft in Deutschland eine veränderte, anders strukturierte, aber noch immer nicht geeinte Kirche.

Text: Kultur & Kommunikation (Wiebke Barth)

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