„Nicht greifbar und trotzdem da“

Argentinische Tango-Messe erklingt am 9. Juni beim Gottesklang-Fest in Hildesheim

Hildesheim. Der Ernst einer Messe und die Leidenschaft des Tango – verträgt sich das? Beziehungsweise: Geht das miteinander? Die Antwort gibt ein musikalisches Abendgebet beim „Gottesklang-Fest“ am 9. Juni in Hildesheim. In der Christuskirche interpretiert das Ensemble „faux pas“ um 18 Uhr die Tango-Messe „Misa a Buenos Aires“.

Maren Kallenberg, Pianistin im Tango-Orchester „faux pas“ und Kirchenmusikerin, hat in Kirchenkonzerten und Gottesdiensten die Erfahrung gemacht, dass der scheinbare Widerspruch das Erlebnis des Gottesdienstes sehr befruchten kann: Nicht nur die Texte der Messe, sondern auch Gebete und andere liturgische Elemente entfalten ihrer Ansicht nach vor dem Hintergrund der Musik eine neue Wirkung. Der Tango sei eine universelle musikalische Sprache, die nicht über den Kopf verstanden werde, sondern direkt in den Bauch gehe. „Das macht für mich einen Gottesdienst gerade aus: dass etwas passiert, was nicht greifbar und trotzdem da ist“, sagt Maren Kallenberg.

Das Ensemble „faux pas“ bereichert das Kirchenmusikfestival am 9. Juni in Hildesheim mit einer argentinischen Tango-Messe. Foto: Hartmann

Der Argentinier Martin Palmeri hat die „Misa a Buenos Aires“ 1996 komponiert und hält sich in seiner Vertonung streng an den liturgischen Ablauf einer traditionellen Messe und hat auch viele klassische Elemente eingearbeitet. An Bach erinnernde Muster scheinen durch und treffen auf den Klang des Tango Nuevo, wie er besonders von Astor Piazzolla begründet worden ist.

Ursprünglich ist das Werk für Orchester und großen Chor geschrieben, die Gruppe „faux pas“ hat es 2009 für eine kammermusikalische Besetzung neu arrangiert. Fünf Musiker/innen – Akkordeon, Klavier, Violine, Kontrabass und E-Gitarre – begleiten ein vierköpfiges Gesangsensemble. Die 2011 veröffentlichte CD der Hildesheimer lobte der Komponist in einem ausführlichen Brief: „Ich beglückwünsche alle Musiker des Tango-Orchesters faux pas zu dieser unglaublichen Leistung.“ Unter anderem schreibt Palmeri: „Besonders möchte ich das Sängerquartett erwähnen, das mit großer Effektivität die schwierige Aufgabe meistert, das Leidenschaftliche des Tangos und die Schlichtheit der religiösen Empfindung auszubalancieren, wie es dieses Werk erfordert. Bravo!“

Die Musik werde in der Christuskirche den roten Faden bilden, sagt Pastorin Christine Tergau-Harms vom Michaeliskloster, dem Zentrum für Gottesdienst und Kirchenmusik der Evangelischen Landeskirche Hannovers. Sie hat die Andacht zusammen mit Oberkirchenrätin Susanne Kruse-Joost und Mitgliedern der Christusgemeinde vorbereitet. Kurze Zwischentexte, die zum Teil als Sprechcollagen vorgetragen werden, sollen helfen, die lateinischen Worte der Sätze Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus, Benedictus und Agnus Dei verständlich und ihre existenzielle Dimension erlebbar zu machen.

Die Tango-Messe ist eines von rund 40 Angeboten, zu denen das erste Kirchenmusikfestival „Gottesklang – Das Fest“ der Evangelischen Landeskirche Hannovers am 9. Juni nach Hildesheim einlädt. Mehr als 1000 MusikerInnen gestalten den ganzen Tag Konzerte, Gottesdienste, Performances, Mitmach-Aktionen und Workshops – in Kirchen, auf Plätzen, in der Fußgängerzone, in Parks und an anderen ungewohnten Orten. Nähere Informationen finden sich auf der Homepage http://www.gottesklangfest.de

Text: Kultur & Kommunikation (Ralf Neite)

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