Alte Trennlinie wird Musik und Literatur

„Auf der Grenze“: Kulturfest Ambergau startet am 24. Juni in Schlewecke

Bockenem/Schlewecke. Kultur ist kein Sahnehäubchen – kein Extra, das man sich gönnt, wenn zufällig etwas Geld übrig ist. Sie ist vielmehr ein zwingender Bestand des Lebens, das ohne sie schlichtweg unvollständig wäre: Das ist die feste Überzeugung von Claus-Ulrich Heinke, und er teilt sie mit dem Team des Kulturladens in Bockenem. Seit fast 20 Jahren bereichert der Laden am Buchholzmarkt mit seinen „Serenaden im Hof“ und anderen Veranstaltungen das öffentliche Leben. Nun wagt er den nächsten Schritt: Vom 24. Juni bis zum 1. Juli organisieren die Musik- und Kunstfreunde das „Kulturfest Ambergau“, eine fünfteilige Veranstaltungsreihe in der evangelischen Kirche Schlewecke.

Pastor Dennis Sindermann, Susanne Suhr-Stark und Claus-Ulrich Heinke vom Ehrenamtlichen-Team des Kulturladens und weitere Aktive haben das Kulturfest Ambergau fast ein Jahr lang vorbereitet. Foto: Neite

 

„Auf der Grenze“ heißt das Motto des Festivals, das sich von einer Trennlinie inspirieren lässt, die längst nicht mehr existiert und trotzdem noch da ist. Mitten durch das Ambergau zog sich einst die Grenze zwischen dem Herzogtum Braunschweig und dem Königreich Hannover. Bis heute setzt sich die Trennung auf vielerlei Weise fort: Es gibt zwei Landkreise in der Region rund um Bockenem, auch zwei evangelische Landeskirchen. Und sogar das Fördergebiet der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz endet hier.

Meistens machen Grenzen die Dinge komplizierter, in diesem Fall war es einmal umgekehrt. Dem Kulturladen ist es gelungen, Fördermittel von beiden Seiten einzuwerben – Landschaftsverband und Landkreis Hildesheim auf der einen, die Braunschweigische Stiftung auf der anderen –, zudem sind die Stadt Bockenem und der Landkreis Hildesheim mit im Boot. So ist ein anspruchsvolles, vielseitiges Programm ermöglicht worden.

Zum Auftakt gastiert am Sonntag, 24. Juni, der Kinderchor „Dominanta“ aus Hildesheims russischer Partnerstadt Gelendjik in der Schlewecker Kirche. Ihr Konzert mit Folklore, Swing, Klassik und Gospel beginnt um 16 Uhr. Der Chor selbst ist zum Teil durch grenzüberschreitende Kooperationen der ebenfalls im Kulturladen ansässigen SingAkademie Niedersachsen und dem Ensemble „Lukomorje“ aus Gelendjik ins Leben gerufen worden.

Grenzsituationen im Lichte ethischer Praxis und Reflexionen“ sind das Thema eines Talkabends am Dienstag, 26. Juni, um 20 Uhr. Vor dem Hintergrund eines Impulsvortrags von Oberlandeskirchenrat Thomas Hofer, dem Vertreter des Braunschweiger Landesbischofs, befragt Claus-Ulrich Heinke das Landtagsmitglied Jutta Rübke, den Landvolk-Geschäftsführer Carl-Jürgen Conrad und den Arzt Dr. Matthias Sander nach politischen, ökologischen und medizinischen Grenzerfahrungen.

Grenzen los“ ist dagegen der Ansatz eines literarisch-musikalischen Abends am 27. Juni ab 20 Uhr, bei dem der Bad Nauheimer Arzt und Schriftsteller Burkhard Heussen mit dem Marimbaspieler Kai Altendorf zu erleben ist. „Musik kennt keine Grenzen“, erklärt am Freitag, 29. Juni, um 20 Uhr der Frauen-Chor „Vocademia“ und belegt die Thesen mit Werken, die Länder- und Zeitgrenzen überschreiten.

Am 1. Juli gestalten Dr. Julia Helmcke, die Beauftragte für Kunst und Kultur der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers, und Pastor Dennis Sindermann einen Festgottesdienst. Der Musikzug der Feuerwehr sorgt gekonnt für musikalischen Schwung. Gleich danach gibt es zum Abschluss der Kulturwoche vor der Kirche einen zünftigen grenzüberschreitenden Umtrunk.

Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei. Flyer mit näheren Information liegen in allen Kultureinrichtungen des Landkreises aus.

Text und Foto: Kultur & Kommunikation

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