Auf dem Weg der Veränderung

Sitzung des Kirchenkreistages Hildesheimer Land – Alfeld beschäftigt sich mit Umsetzung und Folgen der Regionalisierung

„Wenn die Kirche bleiben will, muss sie sich ändern, und wir uns mit“, so drückte Birgit Lillig aus Limmer aus, worum es bei der Sitzung des Kirchenkreistages für den Kirchenkreis Hildesheimer Land-Alfeld immer wieder ging: die Frage, wie die strukturellen Veränderungen organisiert, aber auch mit Leben und Inhalt gefüllt werden könnten. Zuvor hatte Katharina Henking, Superintendentin in Alfeld, die 91 Delegierten im Hildesheimer Kirchenamt begrüßt und mit einer Andacht auf die Sitzung eingestimmt.

Trotz Diskussion am Ende Zustimmung zur Fristverlängerung: Kirchengemeinden, die einen Gemeindeverband oder eine Arbeitsgemeinschaft mit gemeinsamem Haushalt bilden, können noch bis Januar 2017 einen Bonus erhalten.

Bereits 2010 hatten die damals noch getrennt arbeitenden Kirchenkreistage Alfeld und Hildesheimer Land beschlossen, die Bildung von Gemeindeverbänden oder Arbeitsgemeinschaften der Kirchengemeinden mit gemeinsamem Haushalt durch einen Bonus zu honorieren. Da sich der Weg dorthin in vielen Regionen trotz der grundsätzlichen Bereitschaft der Gemeinden als kompliziert erwiesen hat, soll die Frist dafür auf Vorschlag des Planungsausschusses bis Januar 2017 verlängert werden.

Außerdem wird ein Zwischenschritt möglich: Die Gemeindeverbände und Arbeitsgemeinschaften können übergangsweise Teile des Haushaltes bei den einzelnen Gemeinden belassen, beispielsweise wenn es um Bewirtschaftung von Gebäuden geht. In diesen Fällen erhalten die Regionen zunächst ein Drittel der Bonifizierung. Pastor Thomas Müller, Vorsitzender des Finanz- und Planungsausschusses, betonte, die Frist beziehe sich nur auf den Bonus. Es bestehe darüber hinaus kein Zwang, die Gemeindeverbände bis zum gesetzten Termin zu verwirklichen.

Die Änderung, die schließlich mit großer Mehrheit beschlossen wurde, löste noch einmal eine grundsätzliche Diskussion über die Regionalisierung aus. „Wir machen das nicht mit“, erklärte Pastor Wolfgang Richter aus Gronau. „Wir lassen uns auch mit dem Geld nicht ködern.“ Die Gemeinden in der Region Gronau-Despetal wollten sich zwar vernetzen und zusammenarbeiten, aber keinen Verband bilden. Die kleinen Gemeinden könnten nicht erkennen, welche Vorteile die Zusammenschlüsse für sie hätten, sagte ein anderer Delegierter. Dagegen machte Eckehard Hillebrecht, Gemeindeverbandsvorstand in Freden, anderen Mut: In Freden seien die Erfahrungen positiv, auch für kleine Gemeinden. Und Udo Seifert aus Everode meinte sogar: „Es muss viel schneller gehen.“

Die Regionen sollten tragfähige Strukturen schaffen, um vorbereitet zu sein, wenn die Gemeinden und damit die Mittel weiter schrumpften, erklärte Superintendent Christian Castel dazu: „Es kommt darauf an, dass das Ergebnis stimmt, egal auf welchem Weg.“

Damit auf dem Weg zur Region der Glaube und das Gefühl von Identität nicht auf der Strecke bleiben, haben die Kirchenkreise Hildesheimer Land-Alfeld und Hildesheim-Sarstedt mit Unterstützung des EKD-Zentrums für Mission in der Region ein Projekt mit dem etwas sperrigen Namen „Missionarisch Qualifizierte Regionalentwicklung“ erarbeitet, für das Fördermittel der Landeskirche bewilligt wurden. Vier Jahre lang steht den beiden Kirchenkreisen zusätzlich eine halbe Personalstelle zur Verfügung.

Die Beteiligung solle vollkommen freiwillig sein, jede Region ihren eigenen Weg finden und ihre eigenen Visionen entwickeln. Fehler seien ausdrücklich erlaubt, es solle Platz sein für verrückte Ideen, Offenheit für Neues, erläuterte Superintendent Helmut Aßmann vom Kirchenkreis Hildesheim-Sarstedt als Gast. Ziel sei es, eine eigene Identität zu finden, neue Formen kirchlicher Gemeinschaft, den eigenen Glauben zu stärken und einladend zu wirken auf andere.

Wenig eigene Gestaltungsmöglichkeit dagegen blieb dem Kirchenkreistag bei der Neuregelung zur Bildung und Zusammensetzung der Kirchenkreistage für die kommende Wahlperiode von 2013 bis 2018, die von der Synode im November 2011 beschlossen wurde. Danach soll die Größe der Kirchenkreistage begrenzt werden und nicht mehr jede Gemeinde, egal wie klein, einen Vertreter entsenden dürfen. Er halte es für sehr unglücklich, dass diese Neuregelung mitten im Regionalisierungsprozess beschlossen wurde, kritisierte Bernd Leonhard, Vorsitzender des Kirchenkreistages.

Die Neuregelung schreibt vor, dass der Kirchenkreistag nicht mehr als 63 gewählte Mitglieder zuzüglich zehn Berufenen und den Mitgliedern kraft Amtes haben soll. Die Gemeinden müssen zu Wahlbezirken zusammengefasst werden. Wenn nicht mehr jede Gemeinde vertreten sei, werde es schwierig, Informationen aus dem Kirchenkreistag weiterzugeben, kritisierten einige Delegierte.

Text und Foto: Kultur & Kommunikation (Wiebke Barth)

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