Gottesklang wird zum gesprayten Symbol

Josephine Werth und die 6M des Gymnasiums Andreanum bereiten die Michaelisstraße für das große Kirchenmusikfest der Landeskirche vor

Hildesheim. Das große Gottesklang-Fest am 9. Juni in Hildesheim wird die gesamte Innenstadt in Klang verwandeln. Die zwei wichtigsten Zentren des Geschehens sind die Fußgängerzone samt Marktplatz sowie der Michaelhügel, auf dem sich die 1000 Jahre alte Weltkulturerbe-Kirche St. Michaelis und das angrenzende Michaeliskloster befinden. Aber was ist eigentlich mit dem Weg zwischen Fußgängerzone und Kirche? Soll es dort gar keinen Gottesklang geben? Diese Frage stellte sich Josephine Werth, die gerade ihr Freiwilliges Soziales Jahr Kultur im Michaeliskloster absolviert. Da sie ohnehin noch ihre Jahresarbeit realisieren musste, ließ sich die 19-Jährige auch gleich eine Lösung einfallen.

Josephine Werth bereitet mit den Schülerinnnen Chiara Brandes, Laura Wiedehöft, Sara Hartke und Liane Grusie die Bildtafeln und Schablonen für das Sprayen vor.

Musik wird es in Hildesheim mehr als genug geben, statt dessen überlegte Josephine Werth, wie man die als Verbindungsachse dienende Michaelisstraße künstlerisch gestalten könnte. Sie selbst habe keine besondere künstlerische Begabung, erzählt sie freimütig, „ich habe Kunst nach der neunten oder zehnten Klasse abgewählt“. Aber sie erinnerte sich an ein Schulprojekt, an dem sie in der sechsten Klasse in Bückeburg teilgenommen hat. Damals ging es darum, einen Bauzaun künstlerisch zu gestalten: „Das fand ich damals toll, dass wir auch mal draußen etwas tun konnten – für die Stadt.“

Die FSJlerin wandte sich an Hartmut Schulz, den Leiter des nur ein paar Schritte entfernten evangelischen Gymnasiums Andreanum. Der war sofort begeistert von der Idee eines Kunstprojekts im öffentlichen Raum und verwies Josephine Werth an die Kunstlehrerin Andrea Krebs.

Auch die fand das Vorhaben gut, war aber zugleich ein bisschen skeptisch. „Für solche Dinge, die aus der Reihe laufen, ist im Curriculum eigentlich kein Platz mehr“, sagt die Pädagogin. „Da fehlt nicht die Lust oder das Interesse, sondern einfach die Zeit.“ Doch dann hatte sie die Eingebung, dass man mit einem Spray-Projekt in relativ kurzer Zeit zu Ergebnissen käme, die sich sehen lassen könnte. „Man braucht für so ein Projekt allerdings eine Klasse, auf die man sich wirklich verlassen kann“, fügt sie hinzu. Na klar, mit Farbsprays lässt sich nicht nur Kunst, sondern auch eine Menge Unfug machen.

Die 6M, eigentlich eine Klasse mit besonderer musikalischer Förderung, sei perfekt dafür geeignet gewesen, sagt Andrea Krebs. „Das ist eigentlich eine Kunst-Musik-Klasse. Die sind unglaublich kreativ.“ Gemeinsam mit Josephine Werth fertigte die Klasse Schablonen von stilisierten Musiksymbolen an und sprayte die Positiv- und Negativformen anschließend auf Bildtafeln – für jede Laterne in der Michaelisstraße eine.

„Mit Sprühfarben hat es mehr Spaß gemacht, als wenn man etwas nur anpinselt“, urteilt die 6M-Schülerin Katrina. Laura hat so Feuer gefangen, dass sie am liebsten gleich weiter machen würde. „Wir könnten die ganzen hässlichen Sachen in der Schule ansprayen!“, schlägt sie vor, klärt aber sofort auf. „Es ist nicht so, dass unsere ganze Schule hässlich ist. Nur ein paar Stellen.“

Auch Josephine Werth denkt schon über das Gottesklang-Fest hinaus, das einen Großteil ihres Freiwilligen Kulturjahrs am Michaeliskloster, dem Zentrum für Gottesdienst und Kirchenmusik der Landeskirche, geprägt hat. Wahrscheinlich werde sie Theologie oder Medizin studieren, verrät sie. „Nach der Schule war ich total orientierungslos und es hat mir sehr geholfen, im FSJ praktische Erfahrungen zu machen“, erzählt Josephine Werth. Soviel weiß sie immerhin: Eine künstlerische Laufbahn wird es nicht werden.

Text und Foto: Kultur & Kommunikation (Ralf Neite)

 

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