Es geht um die Erde – sie ist es wert, sich um sie zu kümmern.

Sprengelempfang am Mittwoch, dem 11. Juli – Dr. Reinhard Hoeppner über Amt und Ehrenamt in Kirche und Gesellschaft

Hildesheim. Der Landessuperintendent des Sprengels Hildesheim-Göttingen Eckhard Gorka bat am Mittwoch, dem 11. Juli zum Jahresempfang in die Michaelis-Kirche Hildesheim, und über 700 Gäste folgten seinem Ruf. Ehrengast und Redner des Abends war der frühere Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt und Kirchentagspräsident Reinhard Höppner aus Magdeburg, der über das Thema „Amt und Ehrenamt – von dem, was die Gesellschaft zusammenhält“ sprach.

Besonders die Ehrenamtlichen in der Kirche und die neugewählten Kirchenvorstände waren neben allen anderen die Adressaten der Einladung des Regionalbischofs von Hildesheim gewesen. Und an der rasch steigenden Zahl der Anmeldungen konnte man ablesen: sie hatten diese Einladung angenommen. Aus vielen Teilen des Sprengels waren sie angereist, um Reinhard Hoeppner zu hören, der sich in der Kirche schon seit langem den Ruf eines bibelfesten Predigers und wortgewaltigen Redners erworben hat.

Dr. Reinhard Hoeppner in seiner Rede über Amt und Ehrenamt auf dem Jahresempfang des Sprengels Hildesheim-Göttingen.

Von Hause aus Mathematiker, wie Eckhard Gorka in seiner Begrüßungsrede formulierte, stellte sich der Pastorensohn Hoeppner, der wie kaum ein anderer die Umbruchssituation 1989 in der DDR mitbestimmte und auch später große politische Verantwortung in den sich gründenden neuen Bundesländern übernahm, in den ehrenamtlichen Dienst der Kirche. Als Kirchentagspräsident in Köln 2007 und als Mitglied in dessen Präsidium seit 1994 hat er in den vergangenen Jahrzehnten maßgeblich kirchenpolitisch gewirkt und tut es noch.

Wer in einem Amt stehe, so Hoeppner in seiner Rede, stehe unter besonderer Beobachtung der Öffentlichkeit. Darum müsse er besondere Qualifikationen mitbringen, die ihn befähigten, sein Amt auszuüben. In der allgemeinen Wahrnehmung gehe es bei Politikern besonders um Postengeschacher und Machtkämpfe. „Die politische Kultur lässt oftmals zu wünschen übrig. Daran tragen alle Beteiligten eine Mitschuld.“ Man müsse darum eben auch lernen, zum richtigen Zeitpunkt zurückzutreten, so Hoeppner.

In seinen Ausführungen ließ er seine persönliche Geschichte Revue passieren. Er habe immer das Glück gehabt, an der Stelle zu sein, wo seine Gaben gebraucht wurden. In der Umbruchsituation der damaligen DDR im Jahr 1989 konnte er sein synodales Wissen und sein organisatorisches und mediatorisches Geschick einbringen. Er leitete beispielsweise jene Sitzung der Volkskammer am 22./23. August 1990, die den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik beschloss. Dieses glückliche Geschick, dass Anforderungen auf die richtigen Fähigkeiten träfen, wünschte Reinhard Hoeppner allen anwesenden Ehrenamtlichen ausdrücklich.

Kritisch beleuchtete er den falschen Grundsatz, alles in der Politik müsse sich rechnen. „Gerade die Bibel zeigt in der Geschichte vom reichen Mann und dem armen Lazarus: Solidarität lohnt sich. Das gilt übrigens auch für unsere Solidarität mit Griechenland“ , so der ehemalige Ministerpräsident aus Magdeburg. Gehe es im Ehrenamt also um den wahren Lohn im Himmel? „Nein“, so Hoeppner weiter,“ das wäre ja eine moderne Form des Ablasshandels. Es geht viel mehr um die Erde; sie ist es wert, sich um sie zu kümmern. Und was wir ohne Berechnung für sie tun – das bringt die Gesellschaft weiter.“

In der Folge seiner Gedanken entwarf Hoeppner dann das Bild einer multikulturellen Lerngemeinschaft, die sich in den Dienst Gottes stelle. „Lernen – das ist unser Amt!“. Das gelte für den Menschen auf der Straße wie auch für den Banker, für Christen wie auch für Muslime. „Der Islam gehört zu Deutschland“, wie man an den Städten Berlin und Köln zeigen könne. „Das müssen wir nur noch miteinander bereden“, womit Hoeppner auf eines der Ziele dieser gesellschaftlichen Lerngemeinschaft hinwies. Vorbild sei da für ihn der deutsche evangelische Kirchentag, das größte Ehrenamtlichen-Treffen. „Irgendwie macht diese Lerngemeinschaft richtig Spaß.“ Das Auditorium quittierte diesen Ausruf mit großem Beifall.

Landessuperintendent Eckhard Gorka in seiner Dankesrede auf dem Sprengelempfang.

Landessuperintendent Eckhard Gorka nahm in seinen Dankesworten den prägenden Gedanken der Lerngemeinschaft auf und würdigte die Worte Hoeppners. „Für die Christengemeinde wie für die Bürgergemeinde gilt das Wort des Paulus (Römer 6 Vers 12): Es sind mancherlei Gaben, aber es ist ein Geist“ , so der Oberhirte des Sprengels Hildesheim-Göttingen.

Text und Fotos : Karl-Otto Scholz

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