Zeitenwandel in der Bestattungskultur

Wehrkirche in Hoheneggelsen wird zum ersten Kolumbarium in der Landeskirche

Die Zeiten ändern sich, sogar bei den Toten. „Die klassischen Erdbestattungen gehen massiv zurück“, sagte Superintendent Christian Castel am Sonnabend in Hoheneggelsen. Dort ist der Wandel nun in Form eines so genannten Kolumbariums in der St.-Martin-Kirche angekommen: Der Turmraum der rund 1000 Jahre alten Wehrkirche dient künftig als Grabstätte für Urnen. Es ist das erste Kolumbarium auf dem Gebiet der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers und zugleich bundesweit das erste seiner Art, das in einer ländlichen Gemeinde zu finden ist.

Kirchenamtsleiter Klaus Kastmann, Thomas Naumann von der Bernward GmbH, Diakon Axel Steiner, Pastor Eckhard Hallemann, Superintendent Christian Castel und Oberkirchenrat Günther Röbbeln bei der Einweihung des Kolumbariums. Foto: Neite

Am Wochenende wurde die Begräbnisstätte von Christian Castel, Pastor Eckhard Hallemann und Regionaldiakon Axel Steiner mit einem feierlichen Gottesdienst eingeweiht. Mit dem neuen Angebot komme die Kirche den Bedürfnissen der Menschen nach alternativen Bestattungsformen entgegen, sagte Eckhard Hallemann. Zudem trage das Kolumbarium dazu bei, den Fortbestand der romanischen Kirche zu sichern, so Hallemann.

Kirchenamtsleiter Klaus Kastmann, der gemeinsam mit Christian Castel die Idee der oberirdischen Urnenbegräbnisstätte entwickelt hatte, wurde noch deutlicher: Auf Dauer wäre es zu teuer gewesen, beide evangelischen Kirchen in Hoheneggelsen aus Kirchensteuermitteln zu erhalten. Kastmann: „Die Vielzahl von Sakralgebäuden ist ein Schatz, aber auch eine Last.“ Der Amtsleiter schloss: „Aus der Not ist hier in Hoheneggelsen eine Tugend gemacht worden.“

Das Hauptschiff wird weiterhin für Gottesdienste genutzt, der Turmraum ist komplett umgebaut. 256 kleine Kammern sind zum Teil in die Mauern eingelassen worden, zum Teil hängen sie als schlichte und dabei sehr ästhetische Ensembles von der Decke. Glasscheiben werden den Blick auf die Urnen freigeben. Alle Menschen, die einer christlichen Kirche angehört haben, können ihre Asche so beisetzen lassen, auch Fehlgeborene und Ungeborene finden hier eine Ruhestätte. Das Wort Kolumbarium stammt aus dem Lateinischen, die Römer verwendeten es für ihre meist unterirdischen Begräbnisstätten.

Das Kolumbarium im neu gestalteten Turmraum der Wehrkirche in Hoheneggelsen. Foto: Gemeinde Hoheneggelsen

In seiner Predigt dachte Christian Castel über die sich verändernde Bestattungskultur nach. Früher hätten fast alle Kulturen einen beträchtlichen Aufwand bei der Bestattung ihrer Toten betrieben; heute seien kostengünstige Lösungen wie anonyme Bestattungen voll im Trend. Daneben sei der Wunsch nach Exklusivität zu beobachten, so der Superintendent des Kirchenkreises Hildesheimer Land-Alfeld. „Für Zahlungskräftige lässt sich sogar eine Weltraumbestattung arrangieren.“ Es gebe aber auch „handfeste gesellschaftliche Gründe“ für den Wandel – in der mobilen Gesellschaft seien oft keine Angehörigen mehr in der Nähe, die sich um die Pflege eines Erdgrabes kümmern könnten.

Hier sei das Kolumbarium eine gute Alternative: Der Verstorbene verschwinde nicht spurlos in einem anonymen Grab, und die Angehörigen hätten einen Ort des Friedens, des Trostes und der Erinnerung, so Castel. Anfängliche Zweifel in der Gemeinde, ob man Urnen so ausstellen dürfe, seien schnell gewichen, berichtete Pastor Hallemann. Die von der Bernward GmbH Hildesheim entworfene Lösung habe alle Skeptiker überzeugt. Bürgermeister Martin Lutter war voll des Lobes: „Wir als Gemeinde können froh, dankbar und auch ein bisschen stolz darauf sein.“

Text: Kultur & Kommunikation (Ralf Neite)

 

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