Con tutto oder Margarita – wie wird Kirche lecker serviert?

Im Küchengespräch der Evangelischen Familienbildungsstätte geht es nicht nur um Fusionen / Weg von Strukturdebatten und vom Streit ums Geld

Hildesheim. Sollte die Kirche sein wie eine Pizza Con tutto – gut belegt, und für jeden etwas dabei? Oder eher wie eine Margarita, die sich auf das Wesentliche beschränkt? Vielleicht auch wie ein guter Pizzaservice, der jedem bringt, was sie oder er am liebsten mag? Die Umgebung in der Küche der Evangelischen Familienbildungsstätte und der appetitliche Duft von gebackenem Käse regte zu kulinarischen Vergleichen an beim öffentlichen „Küchengespräch“ zum Thema: „Was denn nun: Fusionieren oder wachsen? Vom Widerspruch kirchlicher Rettungsversuche“. Pastor Christian Ceconi tat als Moderator ein Übriges, indem er das Publikum dazu aufforderte, den Gästen auf dem Podium eine Pizza zuzuordnen.

In der lockeren Atmosphäre bei Pizza und Wein entwickelten sich schnell angeregte Diskussionen in der Küche der Evangelischen Familienbildungsstätte. Auf dem Podium(v.l.): Stadtdechant Wolfgang Voges, Pastor Matthias Wöhrmann, Superintendent Helmut Assmann, Pastor Christian Ceconi als Moderator, die Kirchenvorstände Manfred Anolke und Annegret Heineke sowie Kirchenkreistagsmitglied Norbert Peche. Foto: Barth

Superintendent Helmut Aßmann sieht sich selbst als eine „Vier Jahreszeiten“. Sein katholischer Kollege Dechant Wolfgang Voges fühlt sich manchmal wie eine „Diavolo“, wenn er den Pfarrgemeinden erklären muss, was für einschneidende Veränderungen auf sie zukommen. Mit dabei auf dem Podium außerdem Pastor Matthias Wöhrmann, der im Haus kirchlicher Dienste der Landeskirche Hannover seit 20 Jahren Gemeinden berät.

Annegret Heineke ist Kirchenvorstandsmitglied in Wehmingen und gehört damit einer Gemeinde an, die von Fusion nichts wissen will, sondern die Zukunft der Kirche in Nähe und Ortsgebundenheit sieht. Auch Kirchenkreistagsmitglied Norbert Peche aus Harsum sieht den Zusammenschluss zu großen Einheiten eher kritisch. Manfred Anolke dagegen hat im Kirchenvorstand der Zwölf-Apostel-Gemeinde Sarstedt-Land eine Fusion im großen Stil zu einer Gemeinde mit jetzt 7000 Mitgliedern begleitet.

Ist die Fusion nun eine Chance, trotz schwindender Mitgliederzahlen ein breites Angebot und kreative Freiräume in den Gemeinden zu erhalten? Oder kehren die Menschen einer Kirche erst recht den Rücken, wenn Gottesdienst, Jugendarbeit oder Gesprächskreis nicht mehr direkt im Heimatort stattfinden? Als Moderator Ceconi auf dem Podium eine Pause einlegte, um auch den Besuchern die Möglichkeit zum Austausch zu ermöglichen, bildeten sich in der gut gefüllten Küche sofort angeregte Gesprächsrunden.

Trotz gegensätzlicher Positionen schienen sich die Podiumsteilnehmer über eines einig: Diskussionen über Strukturen und Streit ums Geld dürften nicht länger das Denken in den Kirchen bestimmen: „Dafür sind wir als Christen nicht angetreten“, sagte Superintendent Aßmann. Die Volkskirche in heutiger Form, so der Superintendent, müsse nicht unbedingt erhalten bleiben, sie werde von der Gesellschaft nicht mehr getragen. Gott habe etwas vor mit der Kirche, „das müssen wir erkennen, damit wir ihm nicht im Weg stehen.“ Es gelte, Gemeinschaftsformen des Glaubens zu erhalten, die einladend wirken. Dazu müsse die Kirche dort fördern, wo sich Gutes entwickele: „Wo sich Menschen einer Sache leidenschaftlich verpflichten, geht die Post ab, egal wie wenig Geld sie haben.“

„Wir glauben, dass etwas Gutes entstehen wird“, erklärte auch Dechant Voges. Es gehe darum, den Glauben weiterzugeben, „und die nächste Generation tickt völlig anders.“ Ein Weg wäre, nicht in der Kirche auf die Menschen zu warten, sondern in Schulen, Altenheime und Krankenhäuser zu gehen, wo die Sinnfragen gestellt werden.

Bei so viel Einigkeit schien der Vorschlag von Pastor Matthias Wöhrmann gar nicht abwegig: In den Ortschaften eine Kirche im Sinne der Ökumene gemeinsam zu nutzen als Mittelpunkt der christlichen und dörflichen Gemeinschaft: „Das wäre eine Vision.“

Text und Foto: Kultur & Kommunikation (Wiebke Barth)

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