„Ich bin nicht mehr der, der ich war“ – musikalische Lesung mit Frank Bode

Musikalische Lesung zur Ausstellung „Rosenstraße 76 – Häusliche Gewalt überwinden“

Am Freitag, 14.09.2012, gestaltete Frank Bode ab 19 Uhr in den Räumen der Ausstellung „Rosenstraße 76 – Häusliche Gewalt überwinden“ (Kurt-Schröder-Halle, Neustädter Tor 2, 37520 Osterode) eine musikalische Lesung. In den Moderationen zwischen den eigenen thematisch passsenden Songs hat Frank Bode aus den Ausstellungstexten gelesen und so zwischen seinen eigenen Liedern und dem Thema der Ausstellung eine Verbindungslinie gezogen und so das Thema häusliche Gewalt in umfassender Weise künstlerisch beleuchtet. Dieses Kammerstück wird nocheinmal am Freitag, den 28. September 2012 um 19 Uhr in den Räumen der Ausstellung (Kurt-Schröder-Halle, Osterode am Harz) zu sehen sein. Eintritt ist frei. 30 Minuten vor und nach der Ausstellung ist Gelegenheit, die Ausstellung zu entdecken.

Foto: Martin Schnella

Gebannt waren die rund dreissig Zuhörer von den verschiedenen Rollen, die der Künstler einnahm. Das Lied „Ich bin nicht mehr der, der ich war“ eröffnete den Abend und machte deutlich: Häusliche Gewalt verändert Menschen. diejenigen, die direkt davon betroffen sind -Täter wie Opfer. Aber auch dejenigen, die als Mitwisser einbezogen sind – oder sich als Ausstellungsbesucher damit beschäftigen. Häusliche Gewalt hinterlässt Spuren – auf dem Körper und der Seele.

Beeindruckend und gekonnt hielt Frank Bode zum Beispiel die Waage zwischen einfühlsamen Verstehen und Situationskomik bei der Darstellung eine dementen Mannes, der in den Keller gehen wollte, um Kartoffeln zu holen und auf der letzten Stufe vergaß, was er wollte. Berührend tragisch war diese Situation angelegt. Ein letzter fragender Blick in Publikum am Ende der Szene ließ spüren: Auch für den dementen Pflegebedüftigen ist diese Lebenssituation belastend und verwirrend.

Aber auch den Blick auf die Täterseite wagte Frank Bode: Indem er immer wieder ganz unterschiedlich betont den Aphorismus „Das, was ich an dir nicht mag ist, dass ich anders bin als Du!“ wiederholte, führte er das unheilvolle Zusammenspiel von mangelnder Wertschätzung des anderen und fehlendes Selbstbewusstsein vor Augen, die manchesmal zu Gewalt gegen den anderen führt. Etwas, dass nicht nur im häuslichen bereich zu körperlicher oder seelischer Gewalt führt.

Zwischen seine Liedern, die er auf seiner Akustik-Gitarre begleitete, klärte Frank Bode durch geschickte Auswahl der Infotexte über die Ausmaße und Auswirkungen häuslicher Gewalt auf: ca. 25% aller Frauen, die in Partschaften leben, sind von häuslicher Gewalt als Opfer betroffen. Er zählte auch die Formen häuslicher Gewalt auf: Körperliche Gewalt wie z. B. Schlagen, treffen, an den Haaren ziehen, psychische Gewalt wie z. B. Anschreien und Demütigen oder eben auch sexuelle Gewalt. Die gelesenen Informationen ließen spüren, wie zermürbend und aufreibend Gewalt ist der Familie wirkt.

Aber auch die gelegentlich gelingenden hoffnungsvollen Wege heraus aus der Gewalt kamen zur Sprache. Mit seinen Songs „Lust auf Leben“ und „Geh allein“ beschrieb Bode treffend die Gefühle und Sehnsüchte von Opfern häuslicher Gewalt – und machte zugleich die immense Stärke von häuslicher Gewalt betroffener Menschen deutlich: Sie können (mit Unterstützung) selbst einen Weg aus ihrer belasteten Situation finden und diesen Weg entschlossen gehen.

Nach über eine Stunde konzentrierter Aufmerksamkeit bedankte sich das Publikum mit anerkennend lang anhaltendem Applaus. Frank Bode beschloss den Abend nach zwei Zugaben mit dem gemeinsamen Singen des Abendliedes „Der Mond ist aufgegangen“, das viele Aspekte des Abends in tröstlicher, lebenskluger Weise aufnahm. Ein stimmungsvoller, Herz und Verstand berührender Abend, der den Zuhörerinnen und Zuhörern Zeit ließ, nachzuspüren und nachzudenken.

Text: André Dittmann,Osterode

Musikalische Lesung mit Frank Bode wird  am Freitag, 28.09.2012 wiederholt.

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