Runter von der Gefühlsachterbahn

 „Kinder im Blick“: Neuer Kurs des Diakonischen Werks für Eltern in Trennung Hildesheim.

Hildesheim. Wie man anderen Menschen begegnet, wie man erfolgreich ein Gespräch führt, damit kennt Christian Kades sich aus. Schließlich arbeitet er in der Erwachsenenbildung, Kommunikation und Bewerbungstraining gehören zu seinen Schwerpunkten. Aber er weiß auch: „Die private Sache ist natürlich immer noch eine andere.“ Da klappt das Miteinander durchaus nicht immer perfekt. Die Beziehung ist zerbrochen, der Kontakt zu den Kindern, die bei ihrer Mutter leben, hatte öfters Sand im Getriebe. Beim Workshop „Kinder im Blick“ des Diakonischen Werks Hildesheim hat Christian Kades geübt, was man besser machen kann – und wie man es besser machen kann.

Thilo Korek und Barbara Hermanns leiten den Elternkurs „Kinder im Blick“.
Bei dem Kurs für Eltern in Trennung trafen sich die Teilnehmer/innen an sechs Abenden unter professioneller Anleitung, um die Beziehung zu den Kindern und auch zum anderen Elternteil aus neuen Perspektiven zu betrachten. Zugleich probierten sie Wege aus, um eingefahrene Reaktionsmuster zu ändern und Konflikte zu lösen.

„Woher stammen die guten Eigenschaften Ihres Kindes?“, diese Frage sei eine besonders gute Übung gewesen, erzählt Christian Kades. „Das Ergebnis hat mich wirklich überrascht“, sagt der Hildesheimer – rund die Hälfte der positiven Eigenschaften führt er auf den Einfluss der Mutter zurück. Es sei gut gewesen, sich das bewusst zu machen, denn im Trennungsfrust übersehe man das einfach.

Wenn die Eltern sachlicher miteinander umgehen, statt sich auf eine Achterbahn gegenseitiger Vorwürfe zu begeben, wenn sich beide Eltern „Inseln im Stressmeer“ gönnen, dann profitieren auch die Kinder davon, so die Philosophie des Kurses. „ Dass Eltern sich trennen, ist für die Kinder nicht das Schlimmste – sondern eher, wie die Eltern damit umgehen“, betont Thilo Korek, der den Kurs gemeinsam mit Barbara Hermanns leitet. Beide sind Psychologische Berater/innen und speziell für diesen Kurs ausgebildet.

Im Mittelpunkt steht der Wunsch, eine gute Beziehung zu den Kindern aufrecht zu erhalten. Gerade auch für den Elternteil, der nicht mehr mit ihnen zusammenlebt und sie nur noch in Abständen treffen kann. Hier habe er das „Emotionscoaching“ als besonders hilfreich empfunden, so Christian Kades. Das Training enthält Hilfestellungen, die Gefühle der Kinder kennen zu lernen und sich wirklich darauf einzulassen: „Und, wie geht’s?“ – „Gut.“ Damit dürfe ein Gespräch nicht zu Ende sein, kann Christian Kades inzwischen aus Erfahrung sagen. „Die Kinder sind gar nicht automatisch genervt, wenn man nachhakt.“ Es komme natürlich ganz auf die konkrete Situation an.

Dass die Probleme der Frauen und Männer sehr unterschiedlich gewesen seien, habe den Austausch in der Gruppe etwas erschwert, merkt der 43-Jährige kritisch an. Die Einen haben kleine, die Anderen jugendliche Kinder; die Trennungsgeschichten seien extrem verschieden gewesen. Unter dem Strich zieht Christian Kades jedoch ein positives Fazit: „So etwas müsste man vorbeugend allen jungen Eltern erzählen.“ Dafür ist jetzt die Gelegenheit.

Information: Neue Vormittags- und Abendkurse starten am Freitag 16. November, die Kosten betragen 60 Euro pro Teilnehmer/in. Anmeldungen und nähere Informationen in der Ehe-, Familien- und Lebensberatung des Diakonischen Werks Hildesheim, Telefon 1675-40, Mail dw.hildesheim@evlka.de

Text und Foto: Ralf Neite

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