Gefordert ist der Mut zum eigenen Urteil

Ausstellung „Rosenstraße76“ in Hildesheim von Landrat Wegner und Bürgermeisterin Seefels feierlich eröffnet.

Hildesheim. Am Freitag, dem 9. November wurde im Foyer der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) in Hildesheim die Wanderausstellung „Rosenstraße 76“ eröffnet. Dr. Gesa Teichert, die Geschäftsführerin des Zentrum für

Eröffnung der Ausstellung „Rosenstraße 76“ im Foyer der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst

Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterstudien (ZIF), die die Eröffnungsfeier leitete, begrüßte die Anwesenden mit den Worten „Voyeurismus wird zum Motor, sich dem Thema Gewalt in den Familien anzunehmen“ . Die Wanderausstellung „Rosenstraße 76“, die die Besucher in einer scheinbar ganz normalen Wohnung mit den Tatorten des Schlagens und Kontrollierens konfrontiert, möchte Augen öffnen und schweigende Münder zum Reden bringen.

Unter den Ehrengästen waren Landessuperintendent Eckhard Gorka als Schirmherr der Ausstellung, Landrat Reiner Wegner, Bürgermeisterin Ruth Seefels, Professorin Christiane Dienel, Pastorin Franziska Müller-Rosenau und zahlreiche Vertreter von Justiz, Kirche, Kultur und Politik.

Die Präsidentin der HAWK, Frau Prof. Dr. Christiane Dienel, brachte ihre Freude zum Ausdruck, diese Ausstellung an ganz zentraler Stelle Hildesheims präsentieren zu können. „Besucher und Studierenden werden angezogen durch die offenen Türen der Ausstellung und werden über dieses eindringliche Thema ins Bild gesetzt.“

Landrat Reiner Wegner betonte, die Scheu in der Gesellschaft sei groß, über Gewalt in den Familien zu sprechen. Umso größer sei seine Freude, dass Vertreter von Polizei, Staatsanwaltschaft aber auch Kirche vertreten seien, um dieses Gewaltpräventionsprojekt zu begleiten.

Bürgermeisterin Ruth Seefels legte den Fingerzeig auf die verbalen Äußerungen von Gewalt, auf die vielfältigen Kommunikationsformen zwischen indirektem Sprechen im Schweigen und direkten Aggressionen. Es sei auch zu fragen, ob immer nur die Frau das Opfer sei, der Mann der Täter. Immerhin – Deutschland müsse mehr tun, dass Gewalt in den Familien unterbunden werde. „Gefordert ist der Mut zum eigenen Urteil. Was höre ich da nebenan?“ so Seefels.

Clemens Kilian, Pastoralreferent in der Katholischen Hochschulgemeinde, berichtete von der Initiative „Männer gegen Männergewalt“, die sich zum Ziel gesetzt habe, die häusliche Gewalt der schlagenden Männer beim Namen zu nennen und die Täter mit ihrem Verhalten zu konfrontieren. Täter neigten dazu, ihre Taten aus Schuldbewusstsein zu tabuisieren. „Die Ausstellung ist ein Forum, dieses Tabu zu brechen“, so Kilian.

Die interaktive Ausstellung lädt ein zum Betrachten alltäglicher Gegenstände. Ihre Beziehung zur Gewalt in der Familie soll aufgezeigt werden – hier der Alkohol.

Dr. Gesa Teichert dankte allen Kooperationspartnern und gab Pastorin Müller-Rosenau vom Frauenwerk der Landeskirche Hannovers das Wort für den eröffnenden Vortrag. Pastorin Müller-Rosenau, von Hause aus Theologin und Psychologin, ging auf die Wandelbarkeit des Gewaltbegriffes ein. In der Gesellschaft würden die Grenzen von Gewalt stets neu gezogen und bestimmt. Neue Aspekte kämen in den Blick, wie zum Beispiel die „Gewalt in der Pflege“. Schwere systematische Gewalt gehe vor allem von Männern aus und diene der Einschüchterung und der Kontrolle von Frauen. Ein Rätsel sei aber, warum misshandelte Frauen nach dem Asyl im Frauenhaus immer wieder in Misshandlungssituationen zurückkehrten. Liege das womöglich daran, dass Frauen auch Strategien und Ressourcen hätten, um an sich unerträgliche Situationen für sich erträglich zu machen?

Pastorin Müller-Rosenau bekräftigte, die Kirche habe sich in zwei verschiedenen besonderen Dekaden mit einem breiten Spektrum von Gewalt auseinander gesetzt. Die Ausstellung sei ein Beispiel dieser Suche nach Versöhnung und Frieden auch im häuslichen Bereich.

Information: Verschiedene Kooperationspartner aus HAWK,Kirche, Stadt und Landkreis begleiten die Ausstellung mit unterschiedlichen Angeboten, Vorträgen etc.
Die Ausstellung kann von nun an besichtigt werden. Mit einem ökumenischer Gottesdienst am 25.11. um 18.00 Uhr in der ev.-reformierten Kirche, Immengarten 22, wird sie beendet werden.

Text und Bild: Karl-Otto Scholz, Öffentlichkeitsarbeit im Sprengel Hildesheim-Göttingen

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s