Augenschmaus und Ort gelebter Spiritualität in Vergangenheit und Zukunft

Sanierung der UNESCO-Welterbe-Kirche St. Michaelis zu Hildesheim abgeschlossen / Feierstunde mit Landesbischof Meister und Wissenschaftsministerin Wanka

Hildesheim. Nach siebenjähriger Bauzeit ist die Sanierung der Hildesheimer Kirche St. Michaelis mit einer Feierstunde am Sonntag, dem 09.12.2012, offiziell beendet worden. In Anwesenheit von Ralf Meister, Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, der niedersächsischen Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Prof. Dr. Johanna Wanka und Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Kirche und Gesellschaft bedankte sich der Kirchenvorstand der Kirchengemeinde St. Michaelis bei Handwerkern und Sponsoren.

Die ökumenische Andacht zu Beginn der Feierstunde gestalteten der Hildesheimer Landessuperintendent Eckhard Gorka und der katholische Weihbischof Hans-Georg Koitz gemeinsam. Gorka würdigte die große Leistung der Handwerkerinnen und Handwerker: „Wir verabschieden sie heute mit großem Dank und tiefem Respekt vor ihrer Kunst.“ Die Arbeit an einer Kirche sei auch für Handwerker etwas ganz Besonderes, so Gorka weiter. An einer Kirche wie St. Michaelis zu bauen, habe einen besonderen Sinn, rühre tiefsitzende Gefühle an.

“ Die Kirche ist eine Augenweide. Und das gilt auch für das Umfeld, die Zuwegung und die Beleuchtung. St. Michaelis hat eine starke Sogwirkung. Tausende Touristen, die Gemeinde, die Konzertbesucher kommen gern hierher. Jeder begeht – manchmal unbewusst – einen Kircheneintritt. Hier will man gerne glauben. “ sagte der leitende Theologe des Kirchensprengels Hildesheim-Göttingen.

In seinem Festvortrag „Das Christentum als Weltkulturerbe“ betonte der Hannoversche Landesbischof Ralf Meister, dass St. Michaelis als UNESCO-Welterbe-Kirche viel mehr sei als ein museales Bauwerk. Die Kirche sei ein Ort gelebter Spiritualität für Generationen von Menschen gewesen und werde das auch in Zukunft sein. „Dieser Raum wurde nicht konserviert, sondern zu neuem Leben erweckt!“

Meister würdigte auch die Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche in Hildesheim während der Restaurierung und die Bedeutung von St. Michaelis als „Simultankirche“. Die Bernwards-Krypta der Kirche wird als katholischer Gottesdienstraum genutzt. St. Michaelis sei für ihn ein „sichtbarer Beweis des tiefen ökumenischen Vertrauens.“

Wie die Kirche sei auch das Christentum insgesamt ein einzigartiges Kulturerbe, das es zu pflegen und zu bewahren gelte. Das Christentum habe eine grundlegende Prägekraft in der Geschichte. Der Landesbischof nannte die Entwicklung des Gewissens, Nächstenliebe, Solidarität und Menschenwürde als kulturelle Grundpfeiler, die aus dem christlichen Menschenbild resultierten. Er wünsche sich, „dass die Menschen in St. Michaelis und im Dom, im Weltkulturerbe Hildesheims, eine spirituelle Kraft spüren, die sie aus diesen Mauern heraus- und in unsere Gesellschaft hineintragen.“

Neben der Ehrung von Vertreterinnen und Vertretern der am Bau beteiligten Gewerke wurde auch der Bauleiter, Dipl. Ing. Jürgen Götz, in besonderer Weise geehrt. Er wird gemeinsam mit den großen Förderern der Sanierung auf einer Tafel in der St.-Michaelis-Kirche verewigt. Mit stehendem Applaus dankten die Besucherinnen und Besucher Jürgen Götz für die geleistete Arbeit.

Dank richteten Pastor Dirk Woltmann und der Kirchenvorstand der St.-Michaelis-Kirchengemeinde auch an den Freundeskreis St. Michaelis, die Europäische Union, die Bundesrepublik Deutschland, das Land Niedersachsen, die Stadt Hildesheim, die Klosterkammer Hannover, die zahlreiche Stiftungen und weitere Förderer, die sich an der Finanzierung beteiligt haben.

In ihrem Grußwort hob Ministerin Wanka die universale Bedeutung der St.-Michaelis-Kirche hervor. Sie stünde in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft für Werte, die für die Gemeinschaft grundlegend seien, sagte Wanka. Die Sanierung sei „wunderbar gelungen“. Dieser Einschätzung schlossen sich auch der Hildesheimer Oberbürgermeister Kurt Machens, die Europa-Abgeordnete Godelieve Quisthout-Rowohl und der Präsident des Landesamts für Denkmalpflege, Dr. Stefan Winghart, an.

Information UNESCO-Welterbe St. Michaelis

Seit 1985 ist St. Michaelis zu Hildesheim gemeinsam mit dem Hildesheimer Dom auf der Welterbeliste der UNESCO verzeichnet. Erbaut wurde die Kirche von 1010 bis 1022 unter Bischof Bernward von Hildesheim erbaut. Sie ist ein Schlüsselwerk der mittelalterlichen Kunst. Der Grundriss der doppelchörigen Basilika ist durch strenge Symmetrie gekennzeichnet: Zwei Chören, einem im Osten und einem im Westen, ist je ein weit über die Seitenschiffe hinaus vorspringendes Querhaus vorgeschaltet; an ihren Giebelseiten erheben sich beiderseits schlanke Rundtürme, die mit den gedrungenen Vierungstürmen kontrastieren. Im Langhaus wechseln vier Eckpfeiler mit paarweise gekoppelten, würfelkapitelletragenden Rundstützen ab. Dieser einem bis dahin unbekannten Rhythmus folgende, den Aufriss des Mittelschiffs bestimmende Stützenwechsel war eine der erfolgreichsten Erfindungen der ottonischen und romanischen Kunst.

St. Michaelis ist der einzige umfassend erhaltene Kirchenbau aus der ottonischen Zeit. Die Sanierungsarbeiten begannen im September 2005. Insgesamt wurden über 10 Millionen Euro aufgewendet. Im Jahr 2010 feierte die Kirche ihr tausendjähriges Jubiläum.

Geöffnet ist die Kirche zu folgenden Zeiten:

Winterzeit: Werktags von 9 bis 16 Uhr, Sonntags von 11.30 bis 16 Uhr, Dienstags ab 10 Uhr

Sommerzeit: Werktags von 8 bis 18 Uhr, Sonntags von 11:30 bis 18 Uhr, Dienstags ab 10 Uhr

Text: Benjamin Simon-Hinkelmann, Beauftrager für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Sprengel Hildesheim-Göttingen

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