Eine Kirche für zwei Konfessionen

Evangelische Kirche in Coppenbrügge ist nun auch das Zuhause der katholischen Christen

Coppenbrügge. Das Kruzifix aus der geschlossenen katholischen Kirche Maria Königin der Apostel hat in der evangelischen Nicolai-Kirche in Coppenbrügge eine neue Heimat gefunden. In einem gemeinsamen Gottesdienst der Christen beider Konfessionen weihte Pfarrer Christian Wirz das Kreuz an seinem neuen Standort neben der Kanzel. Pastor Thomas Koch hieß die katholischen Schwestern und Brüder in der Kirche willkommen. Sie werden dort in Zukunft einmal im Monat eine Messe feiern. Das vertraute Kreuz soll ihnen dabei helfen, sich in der evangelischen Kirche heimisch zu fühlen. Damit wird der Begriff der Ökumene im Weserbergland neu definiert. Im Bereich der evangelischen Landeskirche gibt es nur drei so genannte Simultankirchen – eine davon St. Michaelis in Hildesheim.

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Evangelische und katholische Christen im gemeinsamen Gottesdienst. Ab dem nächsten Jahr wollen Katholiken einmal im Monat die evangelische Kirche nutzen.

Die katholische Kirche ist geschlossen und im Juni durch Bischof Norbert Trelle entwidmet worden. Das Bistum hatte entschieden, die Kirche aufzugeben, weil die Bevölkerung in der Region und damit die Zahl der Katholiken deutlich zurückgegangen war. Die katholischen Christen in Coppenbrügge gehören zur Gronauer Gemeinde St. Joseph – ebenso wie die Katholiken in Elze, Mehle, Lauenstein und Eitzum. Die Gemeinde ist 2006 aus dem Zusammenschluss von drei Pfarrgemeinden entstanden. Die 1968 geweihte Kirche Maria Königin der Apostel in Coppenbrügge hatte hohen Sanierungsbedarf. Alle Kirchen zu erhalten, dafür fehle das Geld, hatte das Bistum erklärt.Zu seiner Gemeinde gehörten rund 3600 Christen, die sich auf 41 Ortschaften verteilen, erläuterte Pfarrer Christian Wirz. Unter diesen Umständen ein Gemeinschaftsgefühl aufrecht zu erhalten, sei nicht einfach. Die Gemeindemitglieder aus Coppenbrügge besuchten nun zum Teil die Kirche in Lauenstein, andere orientierten sich stärker nach Hameln. Am Dienstag, 8. Januar, um 18.30 Uhr soll erstmals eine Messe in der Nicolai-Kirche gehalten werden. Von da an sollen die Gottesdienste jeweils am ersten Dienstag im Monat stattfinden.

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Sie feierten die Ankunft des Kreuzes in der evangelischen Kirche mit einem gemeinsamen Gottesdienst: Pfarrer Christian Wirz und Pastor Thomas Koch.

Vorbehalte gegen die gemeinsame Nutzung der Kirche habe es in den Gemeinden nicht  gegeben, sagen beide Geistliche. Zumal ältere Gemeindemitglieder sich noch erinnern, dass auch nach Kriegsende katholische Christen in der evangelischen Kirche beteten, „obwohl es damals viel mehr gegenseitige Vorbehalte gab“, so Pfarrer Wirz. Die Zahl der Katholiken in Coppenbrügge wuchs damals durch den Zuzug von Flüchtlingen stark an.

Die Nicolai-Kirche sei ja gerade mit großem Aufwand renoviert worden, ergänzte Pastor Thomas Koch: „Da freuen wir uns über noch mehr Leben in der Kirche.“ Nach dem Gottesdienst packten einige Gemeindemitglieder mit an und rückten Bänke zur Seite, um Platz für ein Gerüst zu schaffen, denn am nächsten Tag sollte die neue LED-Deckenbeleuchtung angebracht werden. „Nächstes Mal ist es heller und wärmer“, versprach Pastor Koch den katholischen Besucherinnen und Besuchern. Das Kreuz aus der Kirche Maria Königin der Apostel soll im neuen Licht besser zur Geltung kommen.

„Wir sind trostbedürftig, aber wir sind nicht untröstlich“, sagte Pfarrer Wirz in seiner Predigt. Schließlich wüssten Christen um die Vergänglichkeit alles Irdischen, lebten aber in der Erwartung der Begegnung mit Jesus Christus am Ende ihres Lebens. Sie sollten dabei so zuversichtlich sein wie Kinder, die sich auf Weihnachten freuen. Anstatt sich an Vergängliches zu klammern, solle man lieber die Energie in den Glauben stecken, so der Pfarrer.

Text: Kultur und Kommunikation / Bild: Barth

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