Weihnachten – immer wieder überraschend….

Gedanken zum Weihnachtsfest 2012 von Landessuperintendent Eckhard Gorka, Sprengel Hildesheim-Göttingen

„Ja, ist denn scho’ wieder Weihnachten?“, hieß es vor einigen Jahren in einer Werbekampagne. Eigentlich wissen wir ja, dass Weihnachten kommt. Eigentlich ist Zeit genug. Alle Jahre wieder wird es Weihnachten. Das ist keine Überraschung. Schon eher, wie es kommt und wie wir es erwarten. Ob wir mit Vorfreude oder vielleicht auch mit leisen Befürchtungen auf das Fest zugehen. Weil es das erste ohne einen geliebten Menschen ist. Oder weil wir spüren, dass ein Kalenderdatum allein unser Leben nicht verwandelt. Weil wir vielleicht die heimliche Sorge haben, ob uns das Fest wirklich gelingt.

Aber Weihnachten an sich kommt nicht überraschend.

Das erste Weihnachten kam allerdings tatsächlich für alle Beteiligten mehr als überraschend: Geplant war sie nicht die Geburt im Stall von Bethlehem. Maria hätte sich sicher einen anderen Ort und eine andere Zeit für die Geburt ihres ersten Kindes gewünscht. Auch die Erscheinung der Engel auf den Feldern war für die Hirten eine totale Überraschung: Sie, die am Rande der Gesellschaft standen, rückten plötzlich ins Zentrum.

Die größte Überraschung ist das Neugeborene selbst – und der, der sich in diesem Kind zu erkennen gibt: „Das ist Gott“ bekennen die Hirten zusammen mit den Weisen aus dem Morgenland an der Krippe. Und mit ihnen alle, die von diesem Kind angesehen und angerührt werden. Das ist Gott – so überraschend anders.

Damals haben sich die Menschen ihre Götter eher so vorgestellt wie Superhelden: Stark, mächtig und schön. Sie haben damit zugleich die Stärke, die Macht und die Schönheit vergötzt. Die Götter der Antike (nur sie?) waren unsterblich und ewig jung. Sie kannten keine Vergänglichkeit und kein Leid. Am Schicksal der Menschen nahmen sie vor allem als Zuschauer teil. Manchmal halfen sie ihren Lieblingen und schadeten denen, die sie nicht leiden konnten. Aber letztlich bedeutete ihnen das alles wenig.

Götterbilder sind zugleich Menschenbilder, Idole und Ideale, nach denen das Leben ausgerichtet wird und in denen sich eine Vorstellung vom Guten und Richtigen kristallisiert. Es ist normal, auf der Gewinnerseite stehen zu wollen. Die alten Götter (nur sie?) haben dieses Bedürfnis verkörpert. Sie sind Götter des Glücks – und Götter für die Glücklichen.

Und dann stehen da Menschen an der Krippe und bekennen mit dem Blick auf ein Kind: Das ist Gott. Einer, der nicht irgendwo „oben“ thront und sicheren Abstand hält. Einer, der sich dem aussetzt, was den Menschen damals nicht weniger zu schaffen gemacht hat als uns heute: Den Erfahrungen von Leid, Ausgrenzung, Schuld und Tod. Davon ist die Rede an Weihnachten. Davon singen die Weihnachtslieder. Und Gottesdienste laden zum Hören und Mitsingen ein – auch nur probeweise. Wer weiß schon vorher, was da alles in uns zum Klingen kommt? Vielleicht, nein: Hoffentlich kommt Weihnachten auch für uns dieses Jahr echt überraschend!

Eckhard Gorka,
Landessuperintendent für den Sprengel Hildesheim-Göttingen 
der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers

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