Es war ein dunkler Freitag

Feiger Mord an Hamelner Landrat Rüdiger Butte. Trauergottesdienst im Hamelner Münster am selben Abend.

HamelnAm Freitag dem 26. April vormittags wurde der Landrat des Kreises Hameln-Pyrmont Rüdiger Butte im Kreishaus Hameln von einem 74jährigen Mann erschossen. 

Fassungslosigkeit und Entsetzen herrschte unter den Bürgern Hamelns. Auch Landesbischof Ralf Meister und Ministerpräsident Stephan Weil reagierten in Betroffenheit auf diesen feigen Mord und teilten die Trauer der Angehörigen.

Der Superintendent des Kirchenkreises Philipp Meyer lud für denselben Abend in die St.Bonifatius-Kirche Hameln, das Münster, zu einem Trauergottesdienst ein. Über 400 Menschen kamen und beteten für den getöteten Landrat. Funk und Fernsehen berichteten darüber.

Die folgenden Worte sind eine Radioandacht von Philipp Meyer, am selben Abend verfasst.

Gedenken an Landrat Rüdiger Butte in Hameln am 26.4.2013
Hunderte Menschen gedachten des Hamelner Landrates Rüdiger Butte, der am 26. April einem Mordanschlag zum Opfer fiel. Den Trauergottesdienst hielt Superintendent Philipp Meyer, Hameln. Im Rahmen des Gottesdienstes war Gelegenheit, eine Kerze des Gedenkens anzuzünden. / Foto: Öffentlichkeitsarbeit im Sprengel Hildesheim-Göttingen, Karl-Otto Scholz

Es war ein dunkler Freitag

Es war ein dunkler Freitag gestern für die Menschen in Hameln und Umgebung. Der Landrat des Landkreises Hameln Pyrmont, Rüdiger Butte, ist Opfer einer sinnlosen Gewalttat geworden. Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer in unserer Region. Selten habe ich so tiefe Betroffenheit bei so vielen Menschen erlebt.

Dieser Mord geht uns nahe. Auch mir, das sage ich ganz offen. Warum eigentlich ist das so, dass uns diese Nachricht so beunruhigt? Werden nicht jeden Tag Menschen Opfer von Gewalttaten? Müssten wir nicht jedes Mal zutiefst betroffen reagieren?

Vielleicht wäre es gut, wenn wir allen Opfern von Gewalttaten mehr Aufmerksamkeit schenken würden. Und doch finde ich es verständlich, dass vom Geschehen im Kreishaus gestern so viele Menschen berührt waren.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landkreises Hameln-Pyrmont haben Stunden der Todesangst erlebt. Sie wussten nicht, was geschah, als sie die Schüsse hörten. Sie wussten nicht, ob es weitere Täter gibt, als die Polizei das Gebäude umstellt. Wie tief bei Ihnen der Schock sitzt, können Unbeteiligte sich kaum ausmalen.

Ein zweites ist die unerklärliche Sinnlosigkeit dieser Tat. Der Täter ermordet einen Menschen, und setzt gleich darauf seinem eigenen Leben ein Ende. Wir können darin schwerlich etwas anderes erkennen als blinde Zerstörungswut. Wie verzweifelt und verwirrt muss ein Mensch sein, damit er so handelt?

Ein drittes kommt hinzu: Rüdiger Butte wurde in Ausübung seines Dienstes ermordet. Ich habe es gestern im Gottesdienst gesagt, und ich sage es heute noch einmal: In gewissem Sinne ist hier ein Politiker zum Märtyrer geworden. Märtyrer, das heißt wörtlich übersetzt: Zeuge. Ein Zeuge also – nicht im christlichen Sinne vielleicht, aber als einer der bezeugt: ich übernehme Verantwortung für andere Menschen in der Politik. Ich stehe für Entscheidungen, auch wenn sie nicht allen gefallen. Ich schließe mich nicht ein, sondern die Tür zum Kreishaus und zu meinem Büro stehen offen.

Solche Menschen brauchen wir dringend in unserer Gemeinschaft! Es gehört Mut dazu, Entscheidungen zu treffen. Und es gehört Mut dazu, offen zu sein. Ohne klare Entscheidungen wird unser Zusammenleben unmöglich. Und zugleich werden Entscheidungen immer wieder auf Kritik stoßen, weil wir es als Menschen nun einmal nicht allen recht machen können.

Der Mord gestern im Kreishaus war in diesem Sinne ein Angriff auf unsere Gemeinschaft. Und deswegen geht dieser Mord alle Bürger des Landkreises an. Wir müssen diesen Mord gemeinsam tragen und ertragen. Und wir dürfen uns hier nicht auseinander bringen lassen: wenn wir der Furcht nachgeben, wird unser Leben schon bald nicht mehr lebenswert sein.

Trauergottesdienst Hameln Landrat Rüdiger Butte
Kerzen des Gedenkens auf dem Altar der St.Bonifatius-Kirche Hameln. / Foto: Öffentlichkeitsarbeit im Sprengel Hildesheim-Göttingen, Karl-Otto Scholz

Es war ein dunkler Freitag gestern. Und doch wird mir ein Lichtschein in Erinnerung bleiben: der Altar des Münsters war am Schluss des Gottesdienstes mit hunderten von Kerzen geschmückt. Ein beeindruckendes Bild. Ein Bild der Hoffnung und der Solidarität. 700 Menschen waren gestern Abend im Münster, um im Gottesdienst ihrer Trauer und ihrer Sorge Raum zu geben. Viele von ihnen wollten ein Licht anzünden für Rüdiger Butte. Sie wollten damit zeigen: wir nehmen Anteil. Wir spüren, dass dieser Angriff uns allen gilt. Wir werden uns nicht entmutigen lassen.

Text: Philipp Meyer, Superintendent in Hameln

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