Herausforderungen der Entjüngung

Konvent des Kirchenkreises Hildesheimer Land-Alfeld diskutiert demographische Entwicklung der Gesellschaft

Elze/Blankenburg. Die Menschen in den Gemeinden des evangelischen Kirchenkreises Hildesheimer Land-Alfeld mögen sich gewundert haben. Mehrere Tage lang waren PastorInnen und andere Hauptamtliche in ihren Gemeinden und Arbeitsstellen nicht anzutreffen. Des Rätsels Lösung: Sie alle haben sich zu einem mehrtägigen Konvent im thüringischen Blankenburg versammelt. Im Zentrum standen die Herausforderungen, die der demographische Wandel mit sich bringt: Was heißt das für die Gemeinden, wenn die Gesellschaft immer älter wird?

Fröbels Kindergarten in Blankenburg
In Blankenburg besuchte die Gruppe aus dem Kirchenkreis Hildesheimer Land-Alfeld auch den 1840 von Pastor Friedrich Wilhelm August Fröbel gegründeten Kindergarten, der weltweit als erste Einrichtung dieser Art gilt.

Hauptreferent Prof. Dr. Wilfried Mau, Leiter des Instituts für Rehabilitationsmedizin an der Universität Halle-Wittenberg, sprach anders als so viele Kommentatoren nicht von einer Überalterung, sondern vielmehr von einer „Entjüngung“ der Gesellschaft. Das Problem, so Mau, sei nicht, dass es mehr alte Menschen gebe. Die Zahl junger Menschen nehme ab. „Es liegt also nicht daran, dass die Alten nicht sterben wollen“, konkretisiert Superintendent Christian Castel aus Elze scherzend. Superintendentin Katharina Henking aus Alfeld unterstützt den Ansatz, lieber von Entjüngung zu sprechen, denn: „Es ist ganz klar, dass der Begriff Überalterung schon eine Wertung enthält.“

In Arbeitsgruppen wurden die verschiedenen Facetten der Problematik diskutiert, angefeuert auch durch den zweiten Impulsvortrag über „Kirche und Diakonie“, den Ulrich Stoebe als Direktor der Diakonie Himmelsthür hielt. Einig waren sich die 42 Kirchenmitarbeitenden, dass die Entwicklung sich nicht nur auf die Pflege, sondern auch auf das Gemeindeleben auswirkt. Gerade in den Dörfern wachse die Anzahl einsamer alter Menschen, weil die Jungen wegziehen, so Katharina Henking. „Oft ist dann niemand da, der die Veränderungen bis hin zur Demenz wahrnimmt“, ergänzt Christian Castel.

Allerdings müsse man auch die positiven Seiten des Wandels erkennen. Heute blieben viele Menschen bis ins hohe Alter aktiv, schrieben beispielsweise noch mit über 80 Jahren eine Promotion. Darauf müsse sich die Kirche mit ihren Angeboten einstellen, ein klassischer Altenkreis sei nicht mehr attraktiv, so Katharina Henking und Christian Castel. Die SeniorInnen von heute bevorzugten offene Angebote. „Vor allem gemeinsame Frühstücke boomen überall“, berichtet Katharina Henking.

Die Kirche könne die aktiven SeniorInnen viel stärker einbeziehen, findet Christian Castel. Ein Schlüssel sei es, ihnen größere Mitgestaltungsmöglichkeiten zu eröffnen. „Da haben wir aber noch keine fertigen Konzepte“, gesteht der Superintendent. Der Konvent sei erst ein Einstieg gewesen. Nun müsse die Übertragung in den Gemeindealltag folgen.

Ein weiteres Ziel des Treffens im Haus der Evangelischen Allianz war es, das Gefühl der Zusammengehörigkeit unter den PastorInnen, DiakonInnnen, KirchenmusikerInnen und Mitarbeiterinnen des Diakonischen Werks zu stärken – immerhin ist die Fusion der Altkirchenkreise Alfeld und Hildesheimer Land gerade erst zweieinhalb Jahre her. So nahmen sich die TeilnehmerInnen auch für gemeinsame Aktivtäten wie eine Stadtführung durch Blankenburg und einen Ausflug nach Jena Zeit. Und es gab reichlich Musik. Katharina Henking: „Wir haben jetzt den Reichtum von zwei KreiskantorInnen, die immer wieder vierstimmig mit uns gesungen haben.

 Text: Kultur & Kommunikation (Ralf Neite)

 

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