Reformatorinnen – Reformatorenfrauen – Reformatorisch wirksame Frauen

21. Juni: Dr. Cornelia Schlarb referiert über die Ambivalenz reformatorischer Impulse im Leben und Wirken von Frauen

Das Titelblatt der Flugschrift Argula von Grumbachs, die 1523 innerhalb von 2 Monaten 15 Auflagen erzielte, zeigt eine fiktive Situation, in der Argula von Grumbach mit den Gelehrten der Ingolstädter Universität diskutiert.

Göttingen. Am Donnerstag, dem 21. Juni laden die Ev. Studierenden- und Hochschulgemeinde (ESG) und das Ev. Studienhaus Göttingen (eshg) zur nächsten Veranstaltung in der Reihe „Der Protestantismus auf dem Weg ins Lutherjahr 2017“ ein. Referentin des Abends ist Dr. Cornelia Schlarb, stellvertretende Vorsitzende des Konventes Evangelischer Theologinnen in der BRD e.V. und seit 2009 Koordinatorin des Masterstudiengangs Intercultural Theology an der Georg-August-Universität Göttingen. Der Vortrag der evangelischen Theologin wird sich in historischer Perspektive dem Wirken der Frauen in der Geschichte des Protestantismus zuwenden. Denn mutig und engagiert traten Frauen aus allen sozialen Gruppen für die Verbreitung reformatorischer Ideen und Gedanken ein. Die historische Forschung hat gezeigt: Frauen haben am reformatorischen Prozess mitgewirkt als Reformatoren- und Pfarrfrauen, Flugschriftenautorinnen, Schriftstellerinnen, Liederdichterinnen und als Regentinnen, die in ihrem Territorium die Reformation eingeführt haben. Frauen beteiligten sich in verschiedenen reformatorischen Bewegungen, waren auch in radikal reformatorischen Kontexten, wie im Bauernkrieg oder Münsteraner Täuferreich, anzutreffen und aktiv.

Aus heutiger Sicht zeigt sich die ambivalente Wirkung reformatorischer Impulse für das Leben und Wirken von Frauen: Die Reformation hat Frauen neue Lebensräume eröffnet, andere lange Zeit verschlossen. Entscheidende reformatorische Impulse, wie das Priestertum aller Glaubenden, warten sogar bis heute auf ihre völlige Einlösung.

Die Veranstaltung im Ev. Studienhaus Göttingen in der Oberen Karspüle 30 beginnt um 20.00 Uhr.

Information: Hochschulpastorin Christiane Galle (christiane.galle@eshg.de)

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Turbulenter Weg zur Reformation

1542 feierte Johannes Bugenhagen den ersten evangelischen Gottesdienst mit den Hildesheimern: Ausstellung in der Andreaskirche

Hildesheim. Johannes Bugenhagen betritt die Andreaskirche, um in Hildesheim den ersten evangelischen Gottesdienst abzuhalten: In einem Wandgemälde, das einst die Hildesheimer Rathaushalle zierte, stellte ein Künstler die Szene voller Würde und Andacht dar. Doch tatsächlich war es ein zäher Kampf über Jahrzehnte, ehe die Reformation auch in der Bischofsstadt Einzug hielt. Uwe Merten, Küster der Andreaskirche, hat sich lange mit dem turbulenten Weg zur Hildesheimer Reformation befasst und eine Ausstellung dazu zusammengetragen. Sie wird am Pfingstsonntag im Anschluss an den 10-Uhr-Gottesdienst in der Andreaskirche eröffnet und ist dann bis zum 31. August zu sehen.

Küster Uwe Merten und Pastor Detlef Albrecht vor dem Kirchenportal, durch das einst Johannes Bugenhagen die Andreaskirche betrat. Das Wandgemälde aus der Hildesheimer Rathaushalle, das diesen historischen Tag darstellte, ist heute nur noch als Stich erhalten.

In den Städten ringsum hatte die Lehre Martin Luthers sich längst durchgesetzt, als in Hildesheim noch immer evangelische Lieder, Predigten und Schriften verboten waren. Mit Hausdurchsuchungen und Bücherverbrennungen ging die Stadt dagegen vor, ließ Anhänger der neuen Lehre einsperren oder aus der Stadt weisen, evangelische Prediger von der Kanzel zerren. Es sei vor allem der damalige Bürgermeister Hans Wildefüer gewesen, hat Uwe Merten bei seinen Recherchen erfahren, der die katholische Kirche in Hildesheim beharrlich gegen die Reformatoren verteidigte. Erst nach seinem Tod im Dezember 1541 habe die evangelische Lehre in Hildesheim offiziell Einzug gehalten. „Turbulenter Weg zur Reformation“ weiterlesen

500. Jahrestag der Reformation

EKD-Botschafterin Käßmann: „Diplomat war Luther sicher nicht“

epd-Gespräch: Corinna Buschow und Thomas Schiller

Berlin (epd).  Die 500-Jahr-Feier der Reformation ist nach Auffassung der früheren Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, eine ökumenische Angelegenheit. Die evangelische Kirche blicke ebenso wie die katholische auf eine zwei Jahrtausende währende Tradition zurück. „Es geht um eine Kirche, die sich im 16. Jahrhundert auf zwei verschiedene Wege begeben hat“, sagte Käßmann im epd-Interview. Mit der künftigen Luther-Botschafterin der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sprachen in Berlin Corinna Buschow und Thomas Schiller.

epd: Sie werden am 27. April von der Evangelischen Kirche in Deutschland in das Amt einer Botschafterin für das Reformationsjubiläum 2017 eingeführt. Das ist ein Titel, der in der Kirche ungewöhnlich ist. Mit welchem Selbstverständnis soll dieses Amt ausgeführt werden?

Käßmann: Das hat sich die EKD sehr gut überlegt, indem sie gesagt hat: Der Rat der EKD steht für die Botschaft und ich bin dafür da, diese zu transportieren. Das finde ich auch eine ganz angenehme Rolle. Botschafter haben ein festes Standbein, weil sie wissen, wofür sie stehen und was sie zu vertreten haben, und andererseits haben sie als Spielbein die Freiheit, das im Konkreten selbst zu gestalten.

epd: Diplomatisch und Luther – passt das zusammen?

Käßmann: Naja, Diplomat war Luther sicher nicht. Sein Wettern gegen die „Papisten“ und gegen den „Antichristen“ in Rom war manchmal schon stürmisch. Andererseits ist er für seine Botschaft eingestanden. Die war für ihn zuallererst biblisch verankert. „500. Jahrestag der Reformation“ weiterlesen